Hoffnungsträger Jugend: „Da geht einem das Herz auf“

Egoistisch soll sie sein und ohne Visionen: Das Forum Alpbach widmete sich der „Generation Ich“. Wir haben Jugendorganisationen und Heranwachsende befragt: Wie sind sie wirklich, „die Jungen“?

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Mehr als 5000 Jugendliche haben sich im vergangenen Jahr an Sozialaktionen und Bildungsworkshops der Young Caritas in Tirol beteiligt. Rund 10.000 Kinder und Jugendliche sammelten für die Dreikönigsaktion 2012 Spenden in Höhe von 1,5 Mio. Euro. Etwa 2700 Heranwachsende sind bei den Tiroler Feuerwehren aktiv. Viele weitere engagieren sich bei Projekten des Jugendrotkreuzes oder des WWF. Das sind nur einige Beispiele, die zeigen: Viele Junge sind bereit, für Mitmenschen und Umwelt viele Stunden ihrer Freizeit zu opfern. Ein Widerspruch zu den Aussagen beim Forum Alpbach, Jugendliche wären nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht und außerdem pessimistisch? Eines ist jedenfalls sicher: Es gibt auch andere, und es sind offensichtlich sehr viele.

„Die Jugend ist sehr wohl engagiert“, sagt Manuel Rott, Mitarbeiter der Young Caritas. „Wenn wir junge Leute fragen: ,Habt ihr Lust, etwas zu tun?‘, dann sagen die meisten: ,O. k., wir machen das‘.“ Es gehe darum, sie anzusprechen. „Und sie werden sich sogar darüber freuen, ihren Beitrag zu einer Sinn stiftenden Tätigkeit leisten zu können.“ Auch Philipp Schumacher, Projektleiter beim Jugendrotkreuz, will die Aussage, Jugendliche seien egoistisch, keinesfalls so stehen lassen: „Es ist nicht schwierig, junge Leute für Projekte zu finden. Im Gegenteil: Es melden sich sogar erstaunlich viele. Wir können gar nicht alle unterbringen.“

Landesfeuerwehrkommandant Klaus Erler spricht von einer „fruchtbaren“ Jugendarbeit: „Man muss der Jugend etwas bieten – ein Programm, das sie anspricht. Doch dann sind sie zu begeistern.“ Der Mitgliederstand wächst seit Jahren. Nicht alle, die bei der Feuerwehrjugend dabei sind, rücken später in den Aktivdienst auf. Der Großteil allerdings bleibt dem Verband treu. „Wach, weltoffen und solidarisch – diese Erfahrung machen wir mit jungen Menschen“, meint Caritasdirektor Georg Schärmer in einer Aussendung. „Tausende Jugendliche warten darauf, abgeholt und gefragt zu werden.“ Er sehe zwei Akteure in der Pflicht: Erwachsene als positive Vorbilder und die Landesregierung, die den Wert jugendlichen Engagements dotieren müsse. „Dreimal so viele Mittel wie bisher braucht es mindestens, um außerschulische Jugendarbeit finanziell so auszustatten, wie es notwendig ist!“

„Die beste Zeitinvestition“: Clemens Dietrich (18) aus Aldrans half im Rahmen des Projekts WiKi („Wir für Kinder“) des Jugendrotkreuzes Volksschulkindern bei den Hausaufgaben. Als ein Mädchen gleich in der ersten Stunde zu ihm sagte: „Du bist jetzt schon mein Lieblingsbetreuer“, sei ihm das Herz aufgegangen. „Man bekommt sehr viel zurück“, sagt der frischgebackene Maturant, der Chemie oder Gesang – „oder vielleicht beides“ – studieren will.

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Theresa Mair (20) aus Hall betreute zum zweiten Mal beim Jugendrotkreuz-Feriencamp Kinder und Jugendliche aus sozial oder finanziell benachteiligten Familien. Weg vom belastenden Umfeld daheim sollen sie sich erholen können. „Sie sollen es auch einmal einfach schön haben“, sagt die Studentin für Soziale Arbeit in Berlin.

Magdalena Zitterl (19) aus Thaur malte mit Mitschülern und Freunden im Rahmen des Projekts „72 Stunden ohne Kompromiss“ der Katholischen Jugend und Young Caritas heruntergekommene Räume des Bahnhof-Sozialdiensts in Innsbruck aus. „Es hat großen Spaß gemacht, gleichzeitig konnten wir Menschen helfen, denen es nicht so gut geht“, erzählt die Medizinstudentin. Die Schülerin Michaela Rudisch (15), Innsbruck, forstete beim 72-Stunden-Projekt ein Waldstück in Innsbruck auf. „Es war anstrengend, hat aber auch viel Spaß gemacht.“

„Du kannst gut zuhören“, haben Freunde zu Irina Grutsch (18) aus Reutte gesagt. Die Maturantin meldete sich für die Jugendrotkreuz-Telefonhotline „Time4friends“. Zweimal im Monat nimmt sie abends Anrufe von Kindern und Jugendlichen entgegen, meistens geht es um Liebeskummer oder Sexualität. Wenn es am Ende heißt: „Mei danke, du hasch mir voll g‘holfen“, dann sei das ein wirklich gutes Gefühl.

„Es gibt Tage, an denen bin ich egoistisch“, sagt Leon (13) aus Innsbruck. Doch er könne auch anders, er sei auch sozial: Wenn am Skaterplatz Anfänger herumgeschubst oder ausgelacht würden, dann greife er ein. Und wenn er in der Stadt junge Leute beim Kiffen sehe, frage er sie, warum sie das tun. „Ich weiß, dass ich es nicht ändern kann. Aber ich finde das einfach traurig.“ Und er wolle nicht dazugehören.


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