Bauern in die AK, Kritik an Bodenseer

AK-Präsident Erwin Zangerl übt Kritik an den Kosten der Wirtschaftskammer. Forderungen stellt er für die Landtagswahl.

Von Alois Vahrner

Innsbruck –Die olympischen Grundsätze gelten auch für die Tiroler Arbeitnehmer, sagt Zangerl gegenüber der TT: höher, schneller und weiter. Konkret heiße das aber leider höhere Preise, schneller arbeiten und weiter weg von einer Lohnerhöhung, spielte Zangerl auf den aktuellen Lohnstreit im Tourismus und den vorletzten Platz Tirols in der Lohnstatistik an. Dabei sei Tirol am teuersten etwa beim Wohnen, beim Essen und beim Sprit. Mit über 100.000 Tirolern würden 40 % der Beschäftigten weniger als 1000 Euro netto im Monat verdienen. Die Hälfte des Einkommens entfalle auf die Bereiche Wohnen, Verkehr und Nahrungsmittel. „Es muss Schluss sein mit dem West-Zuschlag.“ Die Kluft wischen Öster-Arm und Öster-Reich gehe weiter auf. Denn ein Prozent der Haushalte habe in Österreich ein Vermögen von 300 Mrd. Euro. Millionenvermögen sollten laut dem AK-Chef stärker besteuert und kleinere Arbeitseinkommen entlastet werden. Wenn die Kluft weiter aufgehe, dann sei der soziale Zusammenhalt im Land gefährdet.

Der Sozialpartnerschaft in Tirol würde Zangerl glatt die Note „Sehr Gut“ verpassen – wäre da nicht die Wirtschaftskammer, konkret WK-Präsident Jürgen Bodenseer. „Mit der Kammer ist die Zusammenarbeit bei vielen Projekten gut. Die Wirtschaft muss sich aber entscheiden, ob sie einen Präsidenten Bodenseer oder lieber einen Raben will, der in Glossen dauernd auf andere Sozialpartner draufhaut.“ Und Zangerl rät Bodenseer, nicht ständig nur bei der öffentlichen Verwaltung Einsparungen zu fordern, sondern diese „beim eigenen Riesenapparat mit Dutzenden Abteilungen und Geschäftsführern“ umzusetzen.

Mit Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger sei das Verhältnis gut, nur müsse dieser meist auf Anweisungen von LHStv. Anton Steixner aus dem Landhaus warten. Zangerl ärgert die „All-inclusive-Mentalität“, mit der Agrarvertreter vom Land unterstützt würden. Beamten-Heerscharen seien für Agrarbelange zuständig, während man Bearbeiter von Arbeitnehmeranliegen fast per Prämie suchen müsse.

Die aktuelle Agrarpolitik bevorzuge vor allem Großbauern und vernachlässige die Nebenerwerbsbauern, sagt Zangerl. Diese 90 Prozent der Bauern seien aber als Arbeitnehmer auch AK-Mitglieder. „Daher überlege ich ernsthaft, ein eigenes Bauern-Referat in der Arbeiterkammer einzurichten.“ Zangerl fordert, dass künftig auch Arbeitnehmer Freiland kaufen können.

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Die AK sei „Vertreterin der Mehrheit“ in Tirol. Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl im Frühjahr 2013 sei es nicht hinnehmbar, dass weiterhin so wenig Arbeitnehmer im Landesparlament sitzen. Der Aufruf, mehr Arbeitnehmervertreter in Position zu bringen, richte sich an alle Parteien. „Auch an die ÖVP, mit der ich verwandt, aber nicht in allen Fragen befreundet bin.“

Die VP müsse sich ihres eigentlichen Namens Volkspartei besinnen und nicht vorzugsweise Klientelpolitik betreiben. Dass mit Günther Platter der frühere AAB-Chef Landeshauptmann ist, bewertet Zangerl positiv. Es werde Platter aber vor allem durch die Landwirtschaftsvertreter nicht leichtgemacht.


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