Auf dem barocken Sprungbrett

Die 27-jährige belgische Sopranistin Sophie Junker ist Siegerin des 3. Internationalen Cesti-Barockgesang-Wettbewerbs.

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Es war wieder eine­ spannende Nacht, als am Donnerstag im Rahmen der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik das Finale des 3. Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper Pietro Antonio Cesti angesetzt war. Denn da ging es nicht allein um Sieg und Preise, da waren frische, junge Stimmen, großteils schon im professionellen Einsatz erprobt, zu entdecken. Und zum dritten Mal konnten die Zuhörer einen Publikumspreis vergeben.

Den Sieg trug die 27-jährige belgische Sopranistin Sophie Junker davon, den zweiten Preis erhielt der 29-jährige britische Bariton Edward Grint. Der dritte Preis ging an die 24-jährige polnische Mezzo­sopranistin Natalia Kawalek-Plewniak, die auch den Publikumspreis errang. Die Auszeichnungen wurden von Bundesministerin Claudia Schmied und Landesrätin Beate­ Palfrader übergeben.

Es gab noch weitere Ehrungen: Den Atle Verstersjø Nachwuchspreis, benannt nach dem 2009 verstorbenen Musikmanager und ebenfalls von der Jury vergeben, erhielt die 23-jährige Israelin Einat Aronstein. Der Sonderpreis des Wiener Konzerthauses für einen Konzertauftritt beim Festival „Resonanzen 2012“ ging ebenfalls an Junker. An Edward Grint wurde ein Engagement am Theater an der Wien vergeben. Der 26-jährige britische Countertenor Jake Arditti­ bekommt ein Konzert beim Festival della Valle d’Itria. Ein Engagement bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci­ blieb noch offen.

Der Cesti-Wettbewerb ist also reich ausgestattet, die Sonderpreise kommen teilweise von Jurymitgliedern. Zunehmend sind Agenten und Besetzungschefs an der Veranstaltung interessiert und beim Finale im Publikum. Der Preis, den das Publikum vergibt, deckte sich in den letzten zwei Jahren interessanterweise mit der Sieger-Entscheidung der Jury, heuer entschieden die Zuhörer konform zum 3. Preis. Die Polin Natalia Kawalek-­Plewniak hat einen ausnehmend schönen Mezzosopran und intensive Gestaltungskraft; mag sein, dass ihre mangelhafte Aussprache des Englischen in Purcells­ Oper „Dido and Aeneas­“ bei der Jury Stimmen kostete. Die Siegesentscheidung für Junker­ glich der letztjährigen Vergabe: Junker, technisch fortgeschritten, hatte für ihren stimmlich strahlenden, in der Höhe leicht scharfen, flexibel­ glitzernden Sopran als Wahlarie „Amor è qual vento“ aus Händels „Orlando­“ gewählt – alles ebenso wie Emöke­ Baráth 2011.

Unter den Jurymitgliedern waren Anne Gjevang, am Beginn ihrer internationalen Karriere als Altistin am Tiroler Landestheater engagiert, und John Mark Ainsley, der vor Jahren sein Operndebüt bei den Innsbrucker Festwochen­ hatte.


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