Weniger Pfunde, das ist die Kunde

Zunehmende internationale Beachtung findet der Moskauer Autosalon dank der Präsenz globaler Konzerne. Mazda wählte die russische Millionenmetropole sogar für seine wichtigste Weltpremiere des Jahres.

Von Markus Höscheler

Moskau –„Wir haben eine unfreundliche Verkehrssituation“, beschreibt eine Russin sehr diplomatisch den täglichen Verkehrsinfarkt in Moskau. Schritttempo ist selbst auf vielspurigen Straßen ein respektabler Fortschritt – konsequent fragt sich ein Mazda-Mann, eher laut denkend: „Und wo sollen hier die ganzen Autos hin, die wir verkaufen wollen?“ Fast drei Mio. Neufahrzeuge trägt der russische Automarkt (siehe Kasten unten links) im Jahr. Genug, um Produzenten, Importeure und Händler anzulocken. Und genug, um eine Messe von internationalem Format aus dem Boden zu stampfen. Den Moskauer Autosalon nutzen die globalen Auto-Player bis 9. September zur Präsentation ihrer Modelle, sie spannen den Bogen vom kleinen Lada bis zum großen Bentley.

Star der Veranstaltung ist allerdings die Mittelklasse, materialisiert im neuen Mazda6, der in Moskau als viertürige Stufenhecklimousine Welt­premiere feiert. Die Japaner honorieren damit die Bedeutung des russischen Automarktes. Und sie erhalten nahezu ungeteilte Aufmerksamkeit, da der in vier Wochen stattfindende Pariser Autosalon wesentlich mehr – sich konkurrierende – Welt­premieren im Programm hat.

Schlau ist nicht nur die Termin- und Ortswahl von Mazda, sondern auch das Team, das für die Entwicklung des Mazda6 die Verantwortung übernahm. Er trägt Züge des ästhetisch überzeugenden Concept Cars Shinari aus dem Jahr 2010. Ein großdimensionierter Fünfpunkt-Kühlergrill dominiert die Front, schlanke, in die Flanken gezogene Scheinwerfer markieren den vorderen Teil der auffälligen Kotflügel. Eine Sicke oberhalb des Schwellers zieht sich im Verlauf leicht nach oben, während sich die Dachlinie coupébetont nach unten senkt.

Dank des attraktiven Designs wirkt der Mazda6 kompakter, als er tatsächlich ist. Stattlich sind seine Länge von 4,87 m und sein Radstand von 2,83 m. Seine Breite beträgt 1,84 m und seine Höhe 1,45 m. Das Erstaunliche: Die üppigen Dimensionen schlagen sich nicht auf die Hüfte nieder, die Limousine wiegt im besten Fall nur 1340 kg.

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Das niedrige Gewicht verdankt der neue Mazda 6 den so genannten Skyactiv-Technologien, die bereits im kompakten SUV namens CX-5 ihre Wirkung demonstriert haben. Skyactiv umfasst den Einsatz von Leichtbaumaterialien, den Einbau von neuen, recht sparsamen Motoren und neu entwickelter Getriebearten.

Bekannt sind vorerst die Leistungswerte für die Skyactiv-Benzinmotoren. Es sind zwei Vierzylinder-Aggregate mit zwei und 2,5 Litern Hubraum und einer Leistung von 150 und 185 PS. Verbrauchsschonend wird sich das optionale i-ELOOP auswirken, ein neuartiges Bremsenergierückgewinnungssystem. Daten über die Skyactiv-Diesel gibt es erst im Zusammenhang mit dem Pariser Autosalon – dieser bietet Mazda zudem die Gelegenheit, die Kombivariante vorzustellen.

Das Langheck fällt etwas kürzer aus als die Limousine, profitiert aber ebenso von Skyactiv. Beide Spielarten kommen in den Genuss neuer Fahrerassistenzsysteme, darunter finden sich ein Abstandsregeltempomat, adap­tives Licht, Berganfahrhilfe, Spurverlassenswarner und ein System zur Vermeidung von Auffahrunfällen bei einer Geschwindigkeit bis 30 km/h (Smart City Brake Support, SCBS). Die zuletzt genannte Technik dürfte sich in einer Megacity wie Moskau gut bewähren, wo die „unfreundliche Verkehrssituation“ zum Alltag gehört.


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