„Das stimmt alles nicht“: Ex-Leiterin von St. Martin streitet Vorwürfe ab

Grausame Erziehungsmethoden, unbezahlte Zwangsarbeit und Duldung von Vergewaltigungen: Die Vorwürfe seien allesamt erfunden, sagt die ehemalige Heimleiterin.

Schwaz – Nach dem Bekanntwerden von Zwangsarbeit und fragwürdigen Erziehungsmaßnahmen in der Landeserziehungsanstalt St. Martin in Schwaz in den 60er und 70er Jahren hat die ehemalige Heimleiterin die erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. „Das stimmt alles nicht. Alle Dinge, die man gemacht hat, um den Kindern, den Mädchen, das Leben zu erleichtern, werden einem jetzt vorgeworfen“, sagte die 85-Jährige in einem Interview mit dem Kurier.

Gegenüber dem Vorwurf, die ehemalige Heimleitung habe das den Mädchen zustehende Geld abgezweigt, erklärte die Frau: „Meine Tochter ist Juristin und hat mir dringend davon abgeraten, mit irgendjemandem über das Thema zu reden. Wenn, dann nur mit juristischem Beistand“. Sie sei seit 30 Jahren in Pension und jetzt würden die Anschuldigungen erhoben. „Ich kann mich dagegen ja nicht wehren“, betonte die Heimleiterin. Dass ein Mädchen von Bundesheer-Soldaten in St. Martin vergewaltigt worden sein soll, sei „irrsinnig“.

Bisher neun Betroffene gemeldet

Bei einer vom Land eingerichteten Opferanlaufstelle hatten sich bis Freitag neun Betroffene gemeldet, die angaben, entweder unzureichend oder gar nicht entlohnt worden zu sein. Das Land Tirol hatte zudem in der vergangenen Woche eine eigene Kommission unter dem Titel „Arbeit in Tiroler Heimen“ ins Leben gerufen. Diese sei dabei, „Unterlagen zu sichten“ und die historische Aufarbeitung zu vertiefen.

Bekanntgeworden waren die Vorwürfe durch ehemalige Zöglinge aus dem Heim St. Martin. Sie hatten vor mehr als einer Woche darüber berichtet, für Swarovski, Darbo und EGLO in den 60er Jahren Arbeiten verrichtet zu haben, ohne von der Heimleitung entsprechend entlohnt worden zu sein. Darbo hatte am Freitag angekündigt, den Lohn für die geleistete Arbeit noch einmal zu zahlen und die doppelt bezahlten Löhne von denjenigen zurückzufordern, „die das Geld damals pflichtwidrig einbehalten haben“.

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Ein weiteres Opfer hatte erklärt, im Erziehungsheim von Soldaten vergewaltigt worden zu sein. (APA/tt.com)


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