Voyager: Raumstar aus bestem Hause

Veredelt segelt das Raumschiff Voyager in Europa nun unter der Flagge Lancias. Die Fiat-Übernahme von Chrysler macht es möglich. Die Kombination aus cleverer Variabilität und Komfort macht den Riesen einzigartig.

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Als 1984 der erste Chrysler Voyager die Reise über den Atlantik zum europäischen Markt angetreten hatte, war das Fahrzeug eine Sensation. Die Transportkapazität eines Klein-Lkw vereinte sich da mit den Fahreigenschaften und dem Komfort eines Pkw. Ein Riesenerfolg für Chrysler, der ein ganzes Fahrzeugsegment nach sich zog.

Viel Zeit ist seither vergangen und der US-Konzern im Zuge der Wirtschaftskrise in die Hände von Fiat übergegangen. Seither nutzt der Gesamtkonzern alle Synergien und konnte Lancia seinen in Ehren ergrauten Euro-Van Phedra durch den Voyager ersetzen. Dafür wurde der in seiner fünften Generation befindliche Voyager erst einmal überarbeitet. Fahrwerk und Geräuschdämmung wurden im Vergleich zum US-Modell noch einmal den gehobenen europäischen Ansprüchen angepasst. Dazu kommt eine Innenausstattung, bei der die Italiener durch ausgesprochen hochwertige Materialien und nicht zuletzt eine stolz mittig im Armaturenbrett platzierte Lancia-Uhr ihre Handschrift hinterließen.

Im Raumangebot und den Details der Innenausstattung setzt sich der über 5,2 Meter lange Reiseprofi ohnehin spürbar von der Van-Konkurrenz ab und kann sich auch locker mit verschönerten Transportern messen:

Sieben absolut vollwertige Sitze oder bis zu 3912 Liter Stauraum bietet der Voyager. Und beeindruckt mit der Finesse seiner Konstruktion: Über elektrische Schiebetüren öffnet sich der Innenraum bequem – besonders lässig übrigens über die Fernbedienung im Fahrzeugschlüssel. Alle Sitze bieten besten Sitzkomfort oder lassen sich einfach zusammenfalten und im Boden versenken. „Stow ‘n‘ Go“ nennt sich das geniale System, das den meist beschwerlichen Ausbau von Sitzen erspart. Die dritte Sitzreihe verschwindet dabei im Spitzenmodell „Platinum“ sogar wie von Geisterhand auf Knopfdruck. Ruht das Gestühl erst im Wagenboden, tut sich ein brettebener und begehbarer Laderaum im Klein-Lkw-Format auf. Bespannt ist dieser mit einem Teppich besten Materials, der so flauschig ist, dass man sich auch eine Nacht im Voyager vorstellen könnte. Überhaupt erscheint die Verarbeitung des Lancia hochwertig bis ins letzte Detail. Eine feine Lederausstattung harmoniert hier – immer serienmäßig – bestens mit schön aussehenden und dennoch strapazierfähigen Materialien. Schön gemacht auch die Beleuchtungs- und Klimatisierungssysteme im Innenraum und die Vielzahl von kleinen Helfern. Zehn Getränkehalter erfrischen Fahrer und Passagiere, die endgültige Anzahl der Ablagen bleibt das Geheimnis der Konstrukteure.

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Die gaben dem Reiseprofi für Europa neben einem 263-PS-V6-Benziner einen 163-PS-Diesel gepaart mit einer Sechsgangautomatik auf den Weg. Die Kombination begeistert vor allem auf Autobahn und zügig gefahrener Landstraße. Im Zusammenspiel mit der komfortablen Federung, den opulenten Sitzen, der erhabenen Sitzposition und der aufwendigen Geräuschdämmung ist ein entspannteres Gleiten kaum vorstellbar.

Geht es hingegen auf den Berg oder in die enge Kurve, kämpfen Automatik und Vierzylinder hörbar mit den 2,16 Tonnen des Großraumvans. Der Voyager kennt beim Fahren eben letztlich ein Motto: je schneller und ebener, desto besser.

Kaum einer von ihnen vermag jedoch jene Kombination aus teils fast schon verschwenderischer Ausstattung, Stilsicherheit und Reisetauglichkeit bei gleichzeitiger Raumfülle und Variabilität zu bieten. Der Voyager bleibt dabei immer Großraum-Pkw und schlingert nie ins Transporter-Eck. Da passt es gut, dass man den Van auch mit DVD-Bildschirmen für den Fond ordern kann (2406 €).

Dass der Voyager zum US-Italiener mutierte, stellt also einen Glücksfall dar. Schon ab 39.900 Euro gibt es übrigens eine limitierte Zahl von „Silver“-Modellen.


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