Der erste Mensch am Mond: US-Astronaut Neil Armstrong ist tot

Er war der erste Mensch auf dem Mond. 1969 setzte Neil Armstrong seinen linken Fuß in die wüstenähnliche Landschaft des Mondes und schrieb Geschichte. Nun ist der US-Astronaut mit 82 Jahren gestorben.

Washington - Jedes Kind lernt seinen Namen in der Schule, in aller Welt sind Straßen und Gebäude nach ihm benannt. Neil Armstrong war der erste Mensch, der den Mond betrat, danach hat er sich zurückgezogen. Nun ist die Weltraumlegende 82-jährig gestorben, zwei Wochen nach einer Bypass-Operation an seinem Herzen.

38 Jahre alt war Armstrong, als er am 20. Juli 1969 den Fuß auf den Erdtrabanten setzte und den legendären Satz sprach: „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Unverschämt gut sah er aus auf den offiziellen NASA-Bildern im Astronautenanzug, mit dem Helm in der Hand - einfach ein Traummann, intelligent, visionär, wagemutig, attraktiv.

Damit hätte er wohl auch das nötige Zeug zum Politiker gehabt, wie der Astronaut John Glenn, der 1977 in den Senat einzog. Aber auch davon, genauso wie von lukrativen Redevorträgen, wollte Armstrong nichts wissen - ein Weltraumheld, der zu einer Art Rätsel wurde. Schon kurz nach seinem historischen Spaziergang auf dem Mond verschwand er aus der Öffentlichkeit, die letzten Jahre lebte er äußerst zurückgezogen.

Er trat nur alle fünf Jahre kurz ins Scheinwerferlicht, beim traditionellen Empfang des jeweiligen US-Präsidenten für die legendäre Besatzung der „Apollo 11“, zuletzt am 20. Juli 2009. Die Feier zum 40. Jahrestag der Mond-Mission war die letzte, bei der das Trio Armstrong, Michael Collins und Edwin „Buzz“ Aldrin vollzählig im Weißen Haus erschien.

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Obama: „Einer der größten amerikanischen Helden“

US-Präsident Barack Obama hat sich tief betroffen zum Tod des Astronauten Neil Armstrong geäußert. „Neil war einer der größten amerikanischen Helden - nicht nur zu seiner Zeit, sondern für alle Zeiten“, erklärte Obama am Samstag in Washington.

„Als er und seine Crew 1969 mit der Apollo 11 gestartet sind, nahmen sie die Sehnsucht einer ganzen Nation mit.“ Sie seien abgehoben, um der Welt zu zeigen, dass der amerikanische Geist weit hinter das blicken könne, was unvorstellbar erscheine - dass alles möglich sei, wenn nur genug Schwung und Genialität dahinter stecke. „Als Neil zum ersten Mal seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes gesetzt hat, hat er einen Moment der menschlichen Vollendung geboten, der niemals vergessen werden wird“, so Obama in seiner Erklärung.

Wie immer bei Berühmtheiten ranken sich auch um Armstrong, der deutsche und schottisch-irische Wurzeln hat, viele Geschichten über eine frühe Leidenschaft und Berufung zum späteren Erfolgsjob. Geboren in Wapakoneta (Ohio) soll er schon als Zweijähriger von Flugzeugen fasziniert gewesen sein. Bereits mit 16 brachte er es zur ersten Fluglizenz - noch vor dem Autoführerschein. Armstrong studierte dann an der Purdue University Luftfahrt-Ingenieurwissenschaften, wurde Marineflieger und absolvierte 78 Kampfeinsätze im Koreakrieg.

Mitte der 50er Jahre begann eine mehrjährige Karriere als unerschrockener Testpilot. Über 50 verschiedene Maschinen erprobte Armstrong. Wiederholt kam er dabei in brenzlige Situationen - und erreichte bereits Höhen von über 62 Kilometern. Aber er wollte noch höher hinaus, und 1962 war der erste Schritt erreicht: Die NASA akzeptierte Armstrong als Astronauten. 1966 gelang ihm als Chefpilot von „Gemini 8“ das Andocken an ein unbemanntes Raumfahrzeug im Orbit - das erste Rendezvous im All.

Drei Jahre später ging dann der größte Traum in Erfüllung. Armstrong leitete die „Apollo 11“-Mondmission, steuerte die kleine Landefähre „Eagle“ im Endanflug per Hand auf den Erdtrabanten und trat als erster aus der Luke, vor seinem Kollegen „Buzz“ Aldrin. „Unsere Chance, beim ersten Versuch auf dem Mond zu landen, sah ich bei 50 Prozent“, sagte Armstrong heuer in einem seiner seltenen Interviews.

In den ersten Wochen nach der Rückkehr ließ sich Armstrong mit der Crew noch feiern, rund um die Welt. Er gab dann aber schon wenig später bekannt, dass er nicht mehr ins All fliegen wolle und verließ die NASA 1971 ganz, um acht Jahre als Professor an der University of Cincinnati Luft- und Raumfahrt-Ingenieurwissenschaften zu lehren. Danach nahm der in zweiter Ehe verheiratete Armstrong hier und da Sprecherfunktionen an und war Vorstandsmitglied in Unternehmen.

Autogramme verweigert

Aber Fernsehauftritte etwa gab es kaum. Und in den vergangenen beiden Jahrzehnten weigerte sich Armstrong partout, Autogramme zu geben - nachdem er herausfand, wie viel Geld damit und mit anderen Armstrong-Memorabilia gemacht wird. Auch sein langjähriger Friseur bekam seinen Unmut zu spüren, als er eine Haarsträhne seines prominenten Kunden verkaufte: Er musste den Erlös für einen guten Zweck stiften.

Doch die Raumfahrt blieb ihm bis zum Schluss ein Herzensanliegen. Als US-Präsident Obama vor zwei Jahren die Abkehr von einem neuen NASA-Mondprogramm verkündete, protestierte Armstrong in einem offenen Brief gegen die drohende „Zweitklassigkeit“ der USA in der Weltraumforschung. Erst vor drei Wochen machten ihm seine NASA-Kollegen dann ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Der Mars-Rover „Curiosity“, der den roten Planeten erforschen soll, landete nämlich am 82. Geburtstag Armstrongs auf dem Mars. Kurz darauf unterzog sich die Weltraumlegende jener Herzoperation, von der er sich nicht mehr erholen sollte. (APA/dpa)


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