Massaker mit über 300 Toten nahe Damaskus - Hoher Militär abgesetzt

In der südwestlich von Damaskus gelegenen Stadt Daraja sind nach Darstellung syrischer Oppositioneller mehr als 300 Leichen gefunden worden.

Damaskus - In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach Oppositionsangaben zahlreiche Leichen entdeckt worden. In der Stadt Daraja seien etwa 320 Leichen gefunden worden, berichteten die Lokalen Koordinierungskomitees in der Nacht zum Sonntag im Internet. Die meisten Opfer seien vermutlich in den vergangenen Tagen bei einer Offensive der syrischen Armee getötet worden, teilte die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich.

Die Aktivistengruppe teilte am Sonntag mit, dass allein am Samstag landesweit mindestens 183 Menschen getötet worden seien, darunter 124 Zivilisten. Auch in Daraya seien 34 Menschen getötet worden, darunter Frauen und Kinder, erklärte die Beobachtungsstelle. Zuvor war von 370 am Samstag Getöteten die Rede gewesen, vermutlich weil zunächst Leichenfunde in Daraya hinzugerechnet wurden. Der genaue Todeszeitpunkt vieler dieser Opfer sei jedoch unklar, präzisierte die Beobachtungsstelle später.

Regierungstruppen hätten die Menschen regelrecht hingerichtet, berichteten Oppositionsvertreter laut der Nachrichtenagentur Reuters. Die meisten Leichen seien in Häusern und Kellern gefunden worden. Am Freitag hatten Soldaten von Präsident Bashar al-Assad die Stadt von Rebellen zurückerobert.

„Assads Armee hat in Daraja ein Massaker angerichtet“, sagte Aktivist Abu Kinan. Wegen der Einschränkung der Berichterstattung ist eine unabhängige Überprüfung der Angaben nicht möglich. Daraja ist einer der großen überwiegend von Sunniten bewohnten Slumstädte vor den Toren von Damaskus.

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Der Angriff auf den Ort war Teil einer Armeeoffensive, mit der die Streitkräfte die Kontrolle über diese Hauptstadtvororte wiedererlangen wollen. Die Rebellen hatten sich dorthin zurückgezogen und Angriffe auf die Assad-Truppen ausgeführt.

Im Bürgerkriegsland soll sich zudem erstmals ein Kommandant abgesetzt haben, der größere Kampfverbände befehligt hatte. Jordanische Medien meldeten, General Mohammed Mussa al-Khairat habe am Samstag die Grenze überquert. In der Nacht seien außerdem rund 500 syrische Flüchtlinge nach Jordanien gekommen.

Der Name des Kommandanten der 7. Division war im Jänner auf einer von den Koordinationskomitees der Syrischen Revolution in der Stadt Jasim verbreiteten Liste aufgetaucht. Die Aktivisten hatten damals die Namen von Militärs aufgelistet, die nach ihren Angaben an der brutalen Unterdrückung der Protestbewegung in ihrer Stadt beteiligt waren.

Keine Bestätigung gab es für einen Bericht des Nachrichtensenders Al-Arabiya, wonach sich auch Vizepräsident Faruk al-Sharaa nach Jordanien abgesetzt haben soll. Ein Kommandant der Freien Syrischen Armee hatte erst kürzlich erklärt, Al-Sharaa habe sich von Assad losgesagt. Er halte sich „an einem sehr sicheren Ort in Syrien“ auf. Beobachter hatten spekuliert, dass die Regierungstruppen ihre Angriffe auf die Grenzprovinz Daraa in den vergangenen Tagen verstärkt hatten, um eine Flucht des Vize zu verhindern.

Am Samstag wurden heftige Kämpfe zwischen Revolutionsbrigaden und Regierungstruppen aus der Provinz Deir as-Saur an der Grenze zum Irak gemeldet. Dabei seien 15 Menschen getötet worden, berichtete die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution.

Erstmals seit Beginn des Syrienkonfliktes ist eine größere Gruppe syrischer Flüchtlinge in Griechenland angekommen. Vor der Insel Symi in der Südostägäis seien 47 Migranten aufgegriffen worden, teilte die griechische Küstenwache am Samstag mit. 27 von ihnen stammten aus Afghanistan und 20 aus Syrien.

Die Menschen waren an Bord eines kleinen Bootes von der wenige Seemeilen entfernten türkischen Küste gestartet. Alle seien wohlauf, berichtete ein lokaler Radiosender. Alle Flüchtlinge sollen nun in Aufnahmelagern gebracht und in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden, teilte die Polizei mit.

Griechenland baut angesichts des kaum noch zu kontrollierenden Stroms illegaler Einwanderer Dutzende neue Aufnahmelager. In den vergangenen zwei Jahren waren mehr als 230.000 illegale Einwanderer aufgegriffen worden. In Griechenland leben mittlerweile mehr als eine Million Migranten - bei einer Gesamtbevölkerung von rund 11 Millionen Menschen. (APA/dpa/Reuters/AFP)


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