Kanzler Faymann für längere Laufzeit bei Griechenland-Krediten

Eine Fristen-Streckung bei der strikten Einhaltung der Reform-Vereinbarungen sei laut Faymann möglich.

Wien - Bundeskanzler Werner Faymann (S) hat sich klar für eine Verlängerung der Rückzahlungsfristen Griechenlands bei seinen Krediten ausgesprochen, sollte sich Athen an die Reform-Vereinbarungen mit der Europäischen Union halten. „Ich sehe gute Chancen, dass die Griechen sich an ihre Vereinbarungen mit der EU halten, dafür aber mehr Zeit für die Rückzahlung ihrer Schulden bekommen“, erklärte Faymann in einem Interview mit der Tageszeitung „Österreich“ (Sonntagsausgabe).

Das Wichtigste sei, dass die Griechen ihre mit der EU vereinbarten Reformen und Sparziele einhalten würden, betonte der Bundeskanzler. „Wenn das garantiert ist, befürworte ich einen Aufschub bei der Rückzahlung. Das kann ein Aufschub von zwei oder drei Jahren sein - das sollen die Experten entscheiden.“ Die Krise und Arbeitslosigkeit in Griechenland sei so groß, dass die Griechen die Rückzahlung ihrer Kredite ohne Zahlungs-Aufschub nicht schaffen würden, erklärte Faymann weiter.

Spekulationen über einen Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone erteilte Faymann eine Absage: „Wer sagt, dass der Rauswurf der Griechen aus dem Euro billiger wäre als ein Zahlungs-Aufschub, der lügt.“ Ein Ende der Währungsunion wäre für Österreich extrem gefährlich, betont der Kanzler: „Wenn der Euro wegfällt, brechen unsere Exporte ein - damit explodiert die Arbeitslosigkeit, sinken die Löhne. Wer das will, sägt den Ast ab, auf dem wir erfolgreich sitzen.“

Faymann äußerte sich, nachdem der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras in Berlin und Paris mit seiner Forderung nach mehr Zeit für die Umsetzung seines Reformprogramms abgeblitzt war. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande pochten gegenüber Samaras darauf, dass Athen die bisherigen EU-Sparvorgaben einhalten müsse.

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Demnach muss Griechenland schon im übernächsten Jahr das EU-Defizitkriterium von einem Budgetdefizit unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erfüllen. Samaras hofft, das Reformprogramm bis zum Jahr 2016 strecken zu können. Griechenland brauche nicht mehr Geld, sondern „Zeit zum Atmen“, argumentierte Samaras.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble bekräftigte jedoch am Samstag in einem Zeitungsinterview seine ablehnende Haltung zur Forderung des griechischen Premiers. „Mehr Zeit heißt im Allgemeinen mehr Geld. (...) Und das bedeutet sehr schnell ein neues Programm“, sagte Schäuble dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. (APA)


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