Wirbelsturm „Isaac“ droht Romneys „Krönungsmesse“ zu verhageln

Mitt Romney will seinen Nominierungs-Parteitag zum Befreiungsschlag nutzen. Doch nun nähert sich ein schwerer Tropensturm dem Tagungsort in Florida. Der Mann, der Obama aus dem Amt jagen will, hat einfach Pech.

Von Peer Meinert

Washington – Mitt Romney (65) hat seit Wochen mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen. Erst verpatzt er seine Europareise mit verbalen Ausrutschern. Dann treibt ihn Barack Obama wegen seiner geringen Steuerzahlungen vor sich her. Zu allem Überfluss faselt auch noch ein Parteifreund öffentlich darüber, dass Frauen bei Vergewaltigungen angeblich nicht wirklich schwanger werden können. Romney hat das schwer zugesetzt.

Das alles will er beim Republikaner-Parteitag, der an diesem Montag in Tampa in Florida beginnt, hinter sich lassen. Mit einem Befreiungsschlag wollte er in die heiße Wahlkampfphase starten. Alle Bedenken, alle Negativschlagzeilen wegwischen. Doch ausgerechnet jetzt nähert sich Tropensturm „Isaac“ Florida, der bis Montag zu einem veritablen Hurrikan anwachsen kann.

„Isaac“ droht das sorgsam inszenierte Spektakel zu verhageln. Schon haben die Parteitagsstrategen die viertägige Veranstaltung praktisch um einen Tag verkürzt. Zwar soll der Parteitag am Montag formell eröffnet werden. Allerdings auf Sparflamme, es soll keine größeren Reden geben. Erst am Dienstag soll es dann richtig losgehen - wenn „Isaac“ das zulässt.

Doch selbst wenn der Sturm nicht direkt auf Tampa treffen sollte - die Auswirkungen dürften erheblich sein. Neben den 5000 Delegierten (samt Ersatzdelegierten) und 5000 Journalisten sollen Zehntausende weitere Gäste kommen. Alles in allem sind 50.000 Besucher angesagt - Chaos ist programmiert. Das Tagungsgebäude steht direkt am Golf von Tampa, der TV-Sender CNN berichtete, möglicherweise müssen Brücken gesperrt werden. Auch Flüge dürften massenhaft ausfallen. Ein Alptraum für die Organisatoren.

Schwieriger Test für Romney

Auch ohne Sturm „Isaac“: Romney steht beim Parteitag ein großer, ein schwieriger Test bevor. Die Aufgabe, die er vor sich hat, ist heikel. Zwar gelang es dem Multimillionär und Ex-Gouverneur Romney bisher, seine Botschaft „Jobs, Jobs, Jobs“ an den Mann zu bringen. Doch so richtig springt der Funke nicht über. Der Wahlkampf kommt nicht recht in Schwung. Romney vermag keine echte Begeisterung zu entfachen.

Trotz aller Bemühungen hat Romney nach wie vor mit einem Handikap zu kämpfen, das ihm bei den Wahlen im November den Sieg über Präsident Barack Obama kosten könnte: Romney gilt als hölzern und langweilig, als Mann, der nicht gut mit den Leuten umgehen kann.

Nicht zuletzt um echte Begeisterung zu entfachen, hat Romney den jungen Paul Ryan zum Vizekandidaten ernannt. Ein Schachzug, der nicht ohne Risiko ist. Ryan hat Charme, kann im Gegensatz zu Romney gut mit Menschen umgehen, löst Begeisterung aus. Romney muss aufpassen, dass der 42-Jährige ihm beim Parteitag nicht die Show stiehlt.

Luftballons, flotte Musik und emotionale Reden

Parteitage in den USA sind anders als in Deutschland. Weniger Papier, weniger Programmdebatten – dafür mehr Luftballons, flotte Musik und emotionale Reden. Und natürlich alles zur Primetime, zur besten TV-Sendezeit. Die großen Auftritte der Matadoren sind daher in Tampa jeweils erst am Abend geplant - damit Millionen Amerikaner live dabei sind.

Normalerweise ist die Inszenierung perfekt, jeder Tag ist genau geplant. Doch diesmal ist alles anders. So hieß es zeitweise, die offizielle Nominierung solle auf den Montag vorgezogen werden. Jetzt heißt es, der Dienstag sei ins Auge gefasst. Das ganze Programm gerät durcheinander.

Doch der alles entscheidende Test steht Romney ohnehin erst am Donnerstag bevor. Am letzten Tag ist traditionell die eigentliche Krönungsmesse. Dann will Romney seine große Nominierungsrede halten. „Isaac“ dürfte sich dann bereits verzogen haben. Die große Frage ist, ob es Romney dann endlich gelingt, einen Sturm unter seinen Anhängern zu entfachen.

„Das ist echt eine große Sache“, meint der Journalist und Parteitagsveteran David Lightman. Die Frage ist: „Sind die Leute begeistert von Romney?“ Gelingt Romney ein großer Coup, dürften seine Umfragewerte in den Tagen danach deutlich anziehen. Allerdings: Schon eine Woche später steigt der Parteitag der Demokraten. Dann wärmt Obama die Herzen. Und nichts kann der Präsident besser, als die Gefühle der Menschen anzusprechen.

Peer Meinert ist Korrespondent der dpa.


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