Kaske folgt Tumpel als Präsident der Arbeiterkammer

Der AK-Präsident Tumpel macht den Weg für einen kleinen Generationenwechsel frei. „vida“-Chef Kaske übernimmt seinen Posten.

Wien - In der Arbeiterkammer geht in Bälde eine Ära zu Ende. Präsident Herbert Tumpel hat am Sonntag seinen Rückzug bekanntgegeben. Er wird bei der nächsten Arbeiterkammerwahl 2014 nicht mehr antreten. In einer Aussendung begründete er seinen Rückzug aus der Politik damit, dass er im März 2013 65 Jahre alt wird. Als sein Nachfolger steht der Vorsitzende der Gewerkschaft „vida“, Rudolf Kaske, fest, bestätigten mehrere Spitzengewerkschafter. Tumpel steht der größten Arbeitnehmervertretung seit 15 Jahren vor.

Kaske soll die Gelegenheit bekommen, sich rechtzeitig in sein neues Amt einzuleben, um als Spitzenkandidat die Dominanz der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter zu festigen. Der Wechsel folgt einer innergewerkschaftlichen Logik. Seit Jahren geht das Gerücht, dass der AK-Posten Teil eines Personaldeals aus dem Jahr 2009 ist. Damals legten die roten Gewerkschaftsgranden fest, dass die GPA mit Ingrid Reischl die Obfrauschaft in der Wiener Gebietskrankenkasse und den Vorsitz in der Trägerkonferenz des Hauptverbands erhält, die Metaller-Gewerkschaft, mittlerweile pro-ge, über Manfred Felix den Chefposten in der Pensionsversicherungsanstalt und die „vida“ das Präsidentenamt, wenn sich Tumpel einmal zurückzieht.

Dies geschieht nun, später als von manchen erwartet. Nachdem sich der eine Zeitlang favorisierte Eisenbahner Norbert Bacher zuletzt aus persönlichen Gründen aus seinen Spitzengewerkschaftsfunktionen zurückgezogen hat, blieb nur noch Kaske als logischer Kandidat übrig.

Im Gegensatz zum spröden Tumpel gilt der gelernte Koch als wortgewandt und offen. Auch wird dem 57-Jährigen Handschlagqualität zugeschrieben. Kaum jemand traut ihm nicht zu, die AK zu führen, auch wenn er zuletzt beim AUA/Tyrolean-Konflikt in einer freilich schwierigen Situation nicht unbedingt brillierte.

Geht Kaske in die AK, wird es in der „vida“ einen neuen Vorsitzenden brauchen. Dass dieses Amt diesmal an die Eisenbahner geht, dürfte fix sein, stellen sich doch in der heterogenen Gewerkschaft die mit Abstand größte Gruppe und war es bei der Gründung schon eine ziemliche Überraschung, dass Eisenbahner-Chef Wilhelm Haberzettl nicht selbst das Ruder übernahm. Logisch als neuer „vida“-Vorsitzender wäre Roman Hebenstreit als Zentralbetriebsratsobmann der ÖBB, auch wenn der bisher keine entsprechenden Ambitionen geäußert hat.

Neuer Finanzchef im ÖGB gesucht

Während in der Arbeiterkammer die spannendste Personalfrage schon gelöst ist, dürfte im ÖGB tatsächlich noch offen sein, wer den zur „Westbahn“ abgewanderten Finanzchef Clemens Schneider ersetzt. Dem Vernehmen nach wird ÖGB-Präsident Erich Foglar die entscheidenden Gespräche erst in den kommenden Wochen führen. Wahrscheinlich ist, dass eine Frau zum Zug kommt, da mit Monika Kemperle eine weitere Leitende Sekretärin abgewandert ist und sonst diese Generalsekretär-ähnliche Position nur noch von Männern besetzt wäre.

Fix ist derzeit nur, dass Bernhard Achitz weiter Leitender Sekretär bleibt. Ob bis zum Bundeskongress im kommenden Jahr für die Finanzen und Kemperles Organisationsbereich nur eine Übergangslösung gefunden wird, bei der Achitz und die neue Sekretärin die Agenden aufteilen, oder schon jetzt das Zukunftsteam einzementiert wird, ist nach APA-Informationen noch nicht entschieden.

Einer, dem Ambitionen für viele Jobs in der Gewerkschaft nachgesagt werden, klettert indes eine kleine Stufe nach oben. Willi Mernyi, Hansdampf in allen Gassen unter anderem als Präsident des Mauthausen-Komitees und als Vorsitzender des Programmausschusses im ORF-Publikumsrat, wird dem Vernehmen nach die Organisationsagenden in der FSG von Kemperle übernehmen, die zum neu gebildeten internationalen Gewerkschaftsverband IndustriALL gewechselt ist.

Die nächste Gelegenheit, die anstehenden Personalia zu besprechen und allenfalls auch bereits zu entscheiden, folgt bald. Am 10. September tritt das Präsidium der Sozialdemokratischen Gewerkschafter zusammen.


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