Unilever-Chef: „Armut kehrt nach Europa zurück“

Nach dem Vorbild von Schwellenländern plant Unilever nun kleinere Packungen in Europa und umwirbt damit Konsumenten mit geringem Einkommen. In Österreich hingegen bleibe alles wie gehabt.

Berlin - Der Konsumgüterkonzern Unilever stemmt sich mit Strategien aus den Schwellenländern gegen die Krise im europäischen Markt. Das Unternehmen umwirbt aggressiv Konsumenten mit geringem Einkommen. „Die Armut kehrt nach Europa zurück“, sagte Europa-Chef Jan Zijderveld der „Financial Times Deutschland“ (FTD) laut Vorausbericht. „Wenn ein Spanier nur noch durchschnittlich 17 Euro pro Einkauf ausgibt, dann kann ich ihm kein Waschmittel für die Hälfte seines Budgets verkaufen.“

Deshalb will der drittgrößte Konsumgüterhersteller der Welt nun Lehren aus dem Asien-Geschäft anwenden. „In Indonesien verkaufen wir Einzelpackungen Shampoo für zwei bis drei Cent und verdienen trotzdem ordentliches Geld“, sagte Zijderveld. „Wir wissen, wie das geht, aber in Europa haben wir es in den Jahren vor der Krise verlernt.“ Der Henkel-Konkurrent Unilever ist für Marken wie etwa Knorr oder Eskimo bekannt.

Für den österreichischen Markt gilt die neue Strategie offenbar nicht: Das entsprechende Interview in der FTD gehe nämlich stark von einer gesamteuropäischen Sichtweise aus, die von den wirtschaftlichen Entwicklungen in Südeuropa beeinflusst werde, stellte Sonja Gahleitner, Geschäftsführerin von Unilever Austria klar.

„Unser Erfolg in Österreich beruht darauf, dass wir immer da sein wollen, wo auch der Konsument ist. Das heißt, wir legen Wert auf eine Abdeckung des gesamten Marktes, sagte Gahleitner gegenüber der Tiroler Tageszeitung Online. Das Sortiment biete Produkte vom Niedrigpreissegement bis hin zum Premium-Segment. „Das war in der Vergangenheit so und das werden wir natürlich auch in der Zukunft so halten“, bekräftigte die Geschäftsführerin.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Bisher hatten Konsumgüterunternehmen versucht, Wachstum in den reifen westlichen Märkten etwa durch teurere Ökoprodukte oder Premiummarken zu erreichen - um sich von den günstigen Handelsmarken der Discounter abzuheben. Der Niederländer Zijderveld führt seit Anfang 2011 Unilevers Geschäfte in Westeuropa. Bisher geht seine Strategie auf: Nachdem die Umsätze des Konzerns in der Region zuvor stagnierten oder rückläufig waren, stand 2011 wieder ein kleines Plus von 0,7 Prozent in der Bilanz.

Westeuropa stand im vergangenen Jahr mit insgesamt 12,3 Milliarden Euro Umsatz für gut ein Viertel der Konzernerlöse - und ist mit einer Gewinnmarge von gut 17 Prozent die profitabelste der drei Unilever-Regionen. (APA/Reuters/tt.com)


Kommentieren


Schlagworte