Neuer Eiskanal für heiße Öfen

Mit dem Bau der neuen Eisspeedway-Rennstrecke geht für den Motorsportclub Weißenbach ein Traum in Erfüllung. Mehr Rennen wird es vorläufig jedoch nicht geben.

Von Simone Tschol

Weißenbach –Seit vielen Jahren träumt der Motorsportclub Weißenbach (MSC) von einer „vernünftigen“ Eisspeedway-Strecke, die auch den Richtlinien für internationale Wettkämpfe entspricht. Zwar wurden in den letzten Jahren in Weißenbach immer wieder Rennen gefahren. „Aber das war immer nur mit Ausnahmeregelungen möglich“, weiß Bürgermeister Hans Dreier und fügt hinzu: „Die Strecke war einfach nicht ideal. Sie war von ihrer Form her wie ein Ei, führte an diversen Masten vorbei, war durch das Vereinshaus nicht zur Gänze einsehbar und auch die Sturzräume waren alles andere als optimal.“

Schließlich wurden Pläne geschmiedet, ein neues Gelände für die Speedwayfreunde zu adaptieren. „Eigentlich haben wir gemeint, schon letztes Jahr mit dem Bau beginnen zu können, aber die naturschutzrechtliche Bewilligung ließ doch länger auf sich warten.

Jetzt hat dieses Warten ein Ende. Die Bewilligung liegt seit knapp zwei Monaten schwarz auf weiß auf dem Tisch des Gemeindechefs. Sofort wurde mit den Bauarbeiten für die neue Rennstrecke begonnen – auf einem freien Grundstück direkt neben dem Fußballplatz. Dieses war früher in Privatbesitz. Im Zuge der Grundzusammenlegung hat die Gemeinde die Fläche erworben und stellt sie nun als Sportfläche zur Verfügung.

„Derzeit sieht es ja echt brutal aus, wie eine Mondlandschaft“, kommentiert Bürgermeister Hans Dreier die Baustelle beim Lokalaugenschein. „Mich wundert es ja, dass die Bevölkerung angesichts der Baustelle so ruhig ist. Aber wenn es fertig ist, ist alles wieder grün und man wird nichts sehen, außer einem kleinen Damm“, beruhigt Dreier. Wozu dann der ganze Aufwand? MSC-Obmann Hanspeter Forcher: „Wir mussten das Gelände ausgleichen, damit die Bahn letzten Endes auch eben ist.“ Der Eindruck, die neue Bahn sei viel größer als die alte, täuscht. „Im Gegenteil“, sagt Forcher, „die alte Strecke hatte einen Innenbahnradius von 420 Metern, die neue nur 350 Meter. Aber jetzt haben wir einen Kurvenradius von 30 Metern und das ist wirklich schön zum Fahren.“

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Die Speedwaystrecke in Weißenbach ist neben jener in St. Johann im Salzburger Land die einzige Speedwaybahn in Westösterreich. Sie entspricht nun auch den internationalen Standards. So wäre zum Beispiel auch die Durchführung von Junioren-Europameisterschaften in Weißenbach möglich. „Das Ganze ist aber eine finanzielle Sache“, so Forcher, der übrigens auch glaubt, dass durch den neuen Standort und den in Bau befindlichen Damm die Lärmbelästigung für die Anwohner geringer wird. „Wir sind allgemein weiter vom Siedlungsbereich abgerückt. Durch den Damm und die Gebäude sind die Anwohner sicher weniger vom Lärm betroffen.“ Aber Ortschef Dreier winkt gleich ab: „Es sind aber deshalb nicht mehr Rennen als bisher erlaubt. Es wird maximal drei Wettkämpfe plus die dazugehörigen Trainingseinheiten geben.“

Wobei die Lärmbelästigung, und hier zeigen sich sowohl Forcher als auch Dreier positiv überrascht, offensichtlich als solches nie Thema bei den Anrainern gewesen sei. „Es hat nie – kein einziges Mal – eine Beschwerde bei der Gemeinde gegeben. Im Gegenteil.“ Bei einer Unterschriftensammlung vor vielen Jahren hätten sich laut Forcher über 90 Prozent der Bürger dafür ausgesprochen, dass wieder Rennen in Weißenbach gefahren werden.

Das Geld für die neue Bahn kommt zum überwiegenden Teil vom MSC selbst. Mit viel Eigenleistung – der Vereins­obmann sitzt Samstag und Sonntag selbst im Bagger – wird versucht, die Kosten möglichst gering zu halten.

Am 13. Jänner gibt es die Feuertaufe für den neuen Eiskanal. Dann wird das Starterfeld beim internationalen Speedwayrennen erstmals über die neue Rennstrecke donnern.


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