Je exponierter die Stelle, desto reizvoller die Aufgabe

Harald Mark ist Industriekletterer der ersten Stunde: Wo ein Kran nicht hinkommt, hängt sich der gelernte Bergführer seit zehn Jahren ans Seil.

Von Benjamin Kiechl

Innsbruck –Das Aufhängen der Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen von Innsbruck nimmt Harald Mark quasi nebenbei mit. Der Fokus seiner Arbeit richtet sich derzeit auf einen 60 Meter hohen Turm in Zürich, der mit 325.000 Lichtpunkten bestückt wird. „Wir montieren die Weihnachtsbeleuchtung auf dem Turm ohne jegliche Bohrung“, erklärt der Kolsassberger. Mit „wir“ meint der Geschäftsführer von „ATT-Industrie“ (Alpine Technologie Tirol) sein Team an Industriekletterern.

Ob nun das Anbringen der Weihnachtsbeleuchtung auf Gebäuden, das Anlegen von Klettersteigen in den Bergen oder die Begutachtung der Rotorblätter bei Windkraftanlagen – dort kommt ein Industriekletterer ins Spiel.

Höhenangst ist fehl am Platz. „Nein, wilde Hund‘ sind wir nicht. Wir sind reife Leute, die rasch Entscheidungen treffen“, erklärt der 50-Jährige. Seit zehn Jahren erledigt Mark mit seinem Team, das aus bis zu 150 erfahrenen Industriekletterern besteht, Arbeiten im alpinen Stil: Die Arbeiten werden meist seilunterstützend ausgeführt.

Kein Auftrag gleiche dem anderen, jeder sei eine Herausforderung, meint Mark. Diese Vielfalt wissen er und sein Team an ihrem Beruf zu schätzen. In Malaysia, Südafrika, Dubai, Bahrain und quer durch Europa arbeitete ATT-Industrie bereits an exponierten Stellen. Sicherheit bleibt in luftiger Höhe das oberste Gebot: Mit speziellen Gurten, Stahlkarabinern und säurebeständigen Materialien geht ein Industriekletterer ans Werk. „Die Qualität der Ausrüstung hat höchste Priorität“, erklärt Mark. Das beste Material nütze jedoch nichts, wenn der Kopf nicht hellwach ist: „Die Kunst ist zu erkennen, wo die Gefahr liegt.“ Man müsse auf Situationen schnell reagieren. Etwa, wenn sich ein Hubschrauber mit einem Stahlträger nähere.

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Die Projekte seien sehr anspruchsvoll, die Planung das Um und Auf. Machbarkeitsstudien, Gefahrenanalysen sowie Kosten- und Kapazitätspläne sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Wenn es ans Eingemachte geht, gibt es für Mark nur noch eine Devise: „Man muss Projekte ruhig und überlegt angehen.“ Die Ergebnisse sind nicht nur zu Weihnachten sehenswert.


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