Studie: Lachgas-Narkose ohne Gefahr fürs Herz

Lachgas dürfte nicht das Herzinfarkt-Risiko während einer Operation erhöhen. Das ergab eine Studie, durchgeführt bei 500 Patienten.

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© MEV-Verlag

Wien/Washington - Lachgas wird häufig als Narkosemittel eingesetzt. Bei Patienten mit Herzerkrankungen war bisher aber Vorsicht geboten, da es bei Lachgas-Narkosen zu einem starken Anstieg von Plasma-Homozystein kommt - ein bekannter Risikofaktor bei kardiovaskulären Erkrankungen. Eine Studie gibt nun aber Entwarnung.

Lachgas dürfte nicht das Herzinfarkt-Risiko während einer Operation erhöhen, berichtete kürzlich der aus Österreich stammende Mediziner Peter Nagele bei der Jahrestagung der American Society of Anesthesiologists (ASA) in Washington DC, wo er mit dem Presidential Scholar Award 2012, eine der weltweit bedeutendsten Auszeichnungen in der Anästhesiologie für Nachwuchsforscher geehrt wurde. Nagele ist der erste Europäer, der diesen Preis erhielt.

Um festzustellen, ob der Lachgas-induzierte Anstieg des Homozystein-Spiegels das Herzinfarkt-Risiko steigert, hat Nagele, der am Washington University Medical Center in St. Louis arbeitet, bei 500 mit Lachgas narkotisierten Patienten den Troponinspiegel untersucht. Ist dieser erhöht, deutet das auf Herzmuskelschäden und eventuellen Herzinfarkt hin.

Ein Teil der Patienten erhielt Vitamin-B-Präparate, die den Homozysteinspiegel senken, der andere Teil ein Placebo. Zusätzlich bekam eine 125 Patienten umfassende Kontrollgruppe weder Lachgas noch Vitamine. Bei allen Patienten war eine koronare Herzerkrankung festgestellt worden bzw. das Risiko dafür.

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Keine Unterschiede

Bei keiner der drei Gruppen konnte ein signifikanter Anstieg des Troponin-Spiegels festgestellt werden, es gab auch keine Unterschiede bei der Zahl der Herzinfarkte. Speziell beim Herzinfarkt-Risiko ist Nagele allerdings noch zurückhaltend, da die Anzahl der aufgetretenen Herzinfarkte gering war, und verweist auf eine derzeit laufende fünfjährige groß angelegte klinische Studie mit mehreren tausend Patienten zu dem Thema, deren Ergebnisse 2014 vorliegen sollen.

Mit dem Presidential Scholar Award der ASA werden Mediziner geehrt, die einen bedeutenden Beitrag für die anästhesiologische Forschung geleistet haben. Der in Oberösterreich geborene und in Salzburg aufgewachsene Nagele studierte Medizin in Innsbruck und absolvierte seine Facharztausbildung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Wiener AKH. Mit einem Erwin Schrödinger-Stipendium ging er 2000 für zwei Jahre an die Washington University in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri).

Zurück in Österreich beendete Nagele seine Facharztausbildung und habilitierte sich in Folge. 2006 wurde er mit dem Otto-Kraupp-Preis für die beste medizinische Habilitation in Österreich ausgezeichnet. Schon ein Jahr zuvor war der Mediziner wieder zurück an die Washington University gegangen. Mittlerweile ist Nagele Leiter des Bereichs für Trauma-Anästhesiologie am Barnes-Jewish-Hospital am Washington University Medical Center in St. Louis. Der Anästhesist war Gründungsmitglied des Vereins ASCINA (Austrian Scientists and Scholars in North America), dem er von 2008 bis 2011 auch als Präsident vorstand. (APA)


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