„Pattis Opferbereitschaft hat uns Flügel verliehen“

Der erste Heimsieg ging bei den Haien ordentlich an die Substanz, Patti Mössmer demonstrierte Nehmerqualitäten. Heute geht‘s nach Villach.

Von Alex Gruber

Innsbruck –Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Selbst wenn schon das „Pinkeln“ eine echte Tortur ist – schlag nach bei Patrick Mössmer: Der warf sich beim 6:5-Sieg über Znojmo (Sonntag) im letzten Drittel selbstlos in einen­ tschechischen Schlagschuss, der im Unterleib einen schmerzhaften Tribut forderte: „Der Tiefschutz hat eine richtige Delle, so etwas habe ich noch nie gesehen.“ Sein Geschlechtsteil sei ordentlich angeschwollen und „beleidigt“. Die Kabinenparty­ nach dem ersten Heimsieg erlebte der 30-Jährige sozusagen im körperlichen Ausnahmezustand mit: „Aber so laut war die Musik bei uns schon lange nicht.“ Danach ging‘s ab in die Urologie-Ambulanz der Innsbrucker Klinik.

Bei der Aufholjagd im Finish­ (von 3:5 auf 5:5) lag Mössmer mit einem Eisbeutel längst auf der Kabinenbank, einen Blick nach unten wollte er sich auch gestern noch lieber sparen: „Ich hab‘s mir heute noch nicht angeschaut. Eines ist aber klar: Ich habe definitiv die größten Eier.“ Im Männer-Sport heißt‘s ja im übertragenen Sinn oft, dass man „Eier zeigen“ soll. Damit sind Stärke und Entschlossenheit, Führungsqualität und Durchsetzungsvermögen gemeint. Alles Attribute, die die Haie gegen Znojmo vereinten. „Mental sind wir stark“, lobt Mössmer seine Kollegen, die die Partie gegen Znojmo noch einmal gedreht haben.

Allen voran die Protagonisten Andreas Nödl, Francis Lemieux oder Mike Bartlett, die aufgrund vieler Überzahl-und Unterzahl-Situationen gefühlte Ewigkeiten am Eis standen. Der Tiroler Beitrag – erster EBEL-Treffer von Benni Schennach und entscheidender Penalty von Alex Höller – freute umso mehr, der Jubel von Goalie Thomas Tragust war am Ende ekstatisch.

„Meine Verletzung ist wurscht. Hauptsache, wir haben zuhause endlich gewonnen­“, rückt Mössmer den kollektiven Erfolg in den Vordergrund. Aufs Eis wollte der Angreifer gestern nicht mehr gehen, von einer (langen) Pause dann aber auch nicht sprechen. Das Schmerzgefühl gibt den weiteren Takt vor.

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Nach dem ersten Heimsieg im achten Versuch war auch bei Headcoach Danny Naud Durchatmen angesagt: „Jetzt können wir uns endlich ein anderes Thema suchen“, schmunzelt der Kanadier vor dem schweren Gang nach Villach. Neben Fünf-Punkte-Mann Andreas Nödl („Jetzt ist er richtig in Fahrt“) gab‘s nach dem Match gegen Znojmo­ auch noch ein Sonderlob für seinen Kapitän: „Die Aktion­ von Patti hat viel bewegt. Seine Opferbereitschaft hat viele Spieler aufgerüttelt. Das hat uns Flügel verliehen.“ Die Erinnerung an Mössmers Verletzung ruft auch bei Naud Schmerzen hervor: „So was habe ich noch nie gesehen.“


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