Verfolgungsjagd durch das London von 007

Wo er war, wollen die Bond-Fans auch sein. Nach nunmehr 23 Kinofilmen kommen in London immer mehr Schauplätze zusammen, an denen der britische Geheimagent seine Spuren hinterlassen hat.

Von Karsten-Thilo Raab

London –Im neuen 007 „Skyfall“ jagen sich Daniel Craig als James Bond und der spanische Oscar-Preisträger Javier Bardem als Bösewicht seit dieser Woche auch in Österreichs Kinos gegenseitig rund um die Welt, und natürlich auch wieder durch die Straßen Londons. Das 23. Abenteuer des Geheimagenten Ihrer Majestät bietet natürlich Bond-Fans und gleichermaßen auch den Liebhabern der englischen Hauptstadt viele Hingucker. Genau 50 Jahre nach der Premiere des ersten Bond-Films „Dr. No“ im Jahre 1962 hauchte das Barbican Arts Centre in London mit einer Sonderausstellung allen bisherigen unkaputtbaren Helden aus der Feder von Ian Flemming wieder Leben ein.

Unter dem Titel „Designing 007 – Fifty Years of Bond Style“ wurde die Erfolgsgeschichte des Leinwandhelden mit der „Lizenz zum Töten“ nachgezeichnet. In der von Ab Rogers konzipierten Ausstellung sind nicht nur Bilder und Ausstellungsstücke von den Dreharbeiten, sondern auch zahlreiche Devotionalien aus den Filmen zu sehen. Darunter einige der Wunderwaffen und aberwitzigen technischen Hilfsmittel, die von 007 oder seinen Gegenspielern im Laufe der fünf Jahrzehnte eingesetzt wurden, aber auch einige der zum Teil überaus futuristischen Fahrzeuge aus dem Bond-Fuhrpark. Daneben lernen die Besucher, mit welchen Tricks und Kniffen einige Spezialeffekte für das Kino erzeugt wurden.

Auch abseits des Barbican lässt sich in der Millionenmetropole an der Themse einiges auf den Spuren von James Bond entdecken. Zu den Originalschauplätzen in der britischen Hauptstadt gehört fast schon traditionell das Hauptquartier des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, das sich etwas flussaufwärts vom Lambeth Palace, dem Amtssitz des Erzbischofs von Canterbury, direkt an der Themse befindet. In „Die Welt ist nicht genug“ (1999) verüben Terroristen im Auftrag der reichen Öl-Erbin Elektra King (Sophie Marceau) einen Anschlag auf das markante grün-weiße Gebäude. Von hier nimmt der Geheimagent Ihrer Majestät (Pierce Brosnan) in einem tauchfähigen Boot mit zuschaltbarem Düsenantrieb die Verfolgung der Schurken auf. Vorbei an den Houses of Parliament und durch die Londoner Docklands führt die Verfolgungsjagd bis zum Millennium Dome (heißt heute „O2“) in Greenwich, wo es auf dem riesigen weißen Dach zu einem Kampf kommt, als eine Terroristin mit einem Heißluftballon zu fliehen versucht.

Während der Dreharbeiten auf der Themse fühlten sich die britischen Parlamentsabgeordneten in ihrer Arbeit massiv gestört. Nach einer Reihe von Beschwerden konnte der damalige Außenminister Robin Cook beschwichtigend eingreifen und erklärte: „Nach dem, was Bond alles für England getan hat, ist die Dreherlaubnis das Mindeste, was wir für ihn tun können.“

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Wie nahe die 007-Abenteuer bisweilen an der Realität sind, zeigte sich übrigens am 20. September 2000, als eine Splittergruppe der irischen Untergrundbewegung IRA einen Anschlag auf das Londoner Hauptquartier des MI6 unternahm. Anders als in „Die Welt ist nicht genug“, als der Anschlag ein klaffendes Loch in die Außenwand des Gebäudes riss, blieb das Vorhaben jedoch ohne ernste Folgen. Denn das MI6-Headquarter wurde bombensicher gebaut und mit dreifach gepanzerten Scheiben ausgestattet. Daher entstand nur geringer Sachschaden.

Neben einer kurzen Sequenz im Flughafen Heathrow durfte auch in „Stirb an einem anderen Tag“ (2002) der obligatorische Ausflug nach London nicht fehlen. Während die MI6-Werkstatt des Tüftlers Q in einem U-Bahnschacht in Westminster tatsächlich komplett im Studio entstand, landete Bösewicht Gustav Graves (Toby Stephens) werbewirksam mit einem Fallschirm direkt vor dem Buckingham Palace und der „Reform Club“ an der Prachtstraße Pall Mall unweit des Trafalgar Square wurde kurzerhand in den „Blade‘s Club“ umfunktioniert. Hier liefern sich Bond und Graves ein Fechtduell, das allerdings im Studio inszeniert wurde.

Obschon viele Sequenzen aus „Der Morgen stirbt nie“ (1997) im Film nach Hamburg verlegt wurden, lagen viele Drehorte einmal mehr in Großbritannien. Die aufwendige Verfolgungsjagd, in der Bond (Pierce Brosnan) mit einem ferngesteuerten BMW seine Widersacher abschüttelt, ist nicht im Parkhaus des Hotel Atlantic an der Hamburger Außenalster entstanden, sondern im Brent Cross Shopping Centre im Londoner Stadtteil Hendon. Die Hotelszenen, in denen 007 der Geliebten von Medienmogul Carver näherkommt, wurden im Stoke Poges Golf Club unweit von Windsor vor den Toren Londons eingespielt. Auf dem Gelände des renommierten Clubs wurde bereits das legendäre Golfduell zwischen dem steinreichen Auric Goldfinger (Gert Fröbe) und 007 (Sean Connery) für „Goldfinger“ (1964), den vermeintlich besten Bond-Film aller Zeiten, gedreht.

Auf der Pferderennbahn in Ascot entdeckt James Bond (Roger Moore) in „Im Angesicht des Todes“ (1985), dass die siegreichen Pferde des Industriellen Max Zorin über ein unnatürliches Leistungsvermögen verfügen. Auch in „Octopussy“ (1983) ist ein Teil der Handlung in London angesiedelt. Bei Sotheby‘s, dem ältesten Auktionshaus der Welt an der New Bond Street, kommt ein Fabergé-Ei unter den Hammer. Bond (Roger More) tauscht das Original geschickt aus und setzt sich auf die Fährte des Käufers, des indischen Prinzen Kamal Khan.

Weitere markante Originalschauplätze von 007-Abenteuern waren beispielsweise in „Goldeneye“ (1995) der Epcom Race Course in Surrey sowie das Somerset House in London. Und als 2005 Daniel Craig als Nachfolger des Iren Pierce Brosnan als neuer Bond-Darsteller der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, fuhr der Ex-Freund von Heike Makasch mit einem Schnellboot in den St. Catherine’s Docks vor.

Auch im neuesten Abenteuer „Skyfall“ wird die britische Hauptstadt natürlich abermals geschickt in Szene gesetzt. So zählen unter anderem das Regierungsviertel Whitehall rund um die Downing Street sowie ein Kaufhaus an der Ecke Great Suffolk Street und Ewer Street zu den Schauplätzen des neuen 007-Films, dessen genaue Drehorte einmal mehr wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurden, so lange bis es seit dieser Woche wieder heißt: „Mein Name ist Bond – James Bond“.


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