Jihadisten unterwandern die syrische Rebellion

Besonders in Aleppo reißen die Gotteskrieger immer mehr Macht an sich und werden zum Problem für die Kämpfer der Freien Syrischen Armee.

Aleppo –Trotz der anhaltenden Brutalität des syrischen Regimes gegen die Opposition ist diese völlig zersplittert. Zu einem „zunehmenden Problem“ für die syrische Opposition werden vorwiegend in Aleppo jihadistische Brigaden aus dem Ausland, die ihre „eigene Gerichtsbarkeit“ wie etwa das Abhacken von Händen bei Diebstahl mit sich brächten, schildert der deutsche Aktivist Elias Perabo.

Jihadistische Brigaden mit eigenen Vorstellungen von Gerichtsbarkeit, wie etwa die libysche Farouk-Brigade, seien vor allem in Aleppo „sehr präsent“, so Perabo. Von Anfang an habe dies zu einer „ziemlichen Reibung“ innerhalb der Opposition geführt, die eine Zeit lang durch das brutale Vorgehen des Regimes sowie Bombardements verdeckt wurde und jetzt wieder aufbreche. Die jihadistischen Brigaden, die „schleichend“ Strukturen aufbauen würden, seien ein „zunehmendes Problem“ für die Rebellen der Freien Syrischen Armee, die historisch eher säkular geprägt ist, erklärte der Mitbegründer der Initiative „adopt a revolution“ zur Unterstützung des unbewaffneten Widerstands in Syrien.

Der Bevölkerung seien diese Gruppen „unheimlich“, und auch die Anhänger der Muslimbruderschaft grenzten sich klar von jenen Brigaden ab. Nach wie vor sprechen sie sich für einen „zivilen Staat“ aus und lehnen jene Art von Gerichtsbarkeit ab.

Zu dem „schleichenden Strukturaufbau“ der jihadistischen Brigaden zählten derzeit die Entwicklung einer Kommandostruktur sowie die Errichtung von Trainingscamps. Sozialstrukturen gebe es „noch keine“, so Perabo. Für den unbewaffneten Widerstand und Aktivisten würden sich neue Probleme durch jihadistische Brigaden ergeben, etwa an Checkpoints: Denn auch sie nehmen wie das syrische Militär den Aktivisten Laptops und Ähnliches ab. Die größte Schwierigkeit für die Aktivisten sei, dass es niemanden für Verhandlungen gebe, „an den man sich wenden kann, denn man weiß nicht, was diese Gruppen wollen und wer diese Gruppen sind“, so Perabo. Wer welche Brigaden finanziere, sei zum Teil wiederum sehr offensichtlich: Der Spender von Waffen und Geldern ist oftmals zugleich der Namensstifter für Brigaden, die vor allem von den Golfstaaten finanziert werden. Laut Perabo befinden sich drei größere Gruppen innerhalb der Jihadisten: Eine große Gruppe bestehe aus ehemaligen syrischen Häftlingen. Viele von ihnen waren beispielsweise während des Irakkriegs 2003 aus der Haft entlassen worden, um im Irak zu kämpfen. Nun kämen sie aus dem Ausland zurück und hätten „sozusagen den Kampf gegen das Regime“ aufgenommen. Eine zweite große Gruppe setze sich aus radikalen Palästinensern zusammen, sagte Perabo. Und die dritte, nach wie vor anwachsende Gruppe machten libysche Jihadisten aus. Vereinzelt stoße man auch auf Kämpfer aus Marokko, Pakistan und anderen Ländern.

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In Aleppo stehe die Freie Syrische Armee (FSA) vor dem ebenfalls „zunehmenden Problem“, über „keine einheitlichen Kommandostrukturen“ zu verfügen, so Perabo. Einige Bataillone seien „sehr gut organisiert“, Absprache bzw. Kommunikation untereinander sei allerdings schwierig.

In den anderen Teilen Syriens seien jihadistische Brigaden von außerhalb nicht sonderlich präsent. Aus der südlich gelegenen Protesthochburg Daraa berichte die Bevölkerung, dass sie dort ohne jegliche ausländische Beteiligung kämpfe und darauf viel Wert lege.

Ähnliches höre man auch aus anderen Städten Syriens, die sich aufgrund einer Konfliktvermeidung nicht mit anderen oppositionellen Kräften von außerhalb vermischen wollen. (APA)


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