Hier kommt das neue Bauchgefühl

Ganz schmal, mit Schärpe oder doch lieber so breit wie ein Mieder? Der Gürtel kennt diesen Herbst viele Dimensionen. Nur eines haben alle Modelle gemeinsam: Bescheiden sind sie nicht. Die neue Mitte will sich nicht verstecken, sondern lieber groß rauskommen.

Eigentlich ist mein Gürtel das Produkt einer ganz schnellen Idee“, lacht die Münchner Designerin Larissa Ziegler. „Und das sind ja dann ganz oft die besten Ideen.“ Ganz fix hatte die Gründerin des Labels „lara kazis“ 2009 zwei Lederstreifen zusammengenäht. Nun ist der Wickelgürtel aus Leder ein Bestseller in ihrer Kollektion. Kein Wunder. Das Modell ist aus extrem weichem Leder gestaltet und erlaubt der Trägerin auch mal einen ordentlichen Atemzug. „Ich finde es wichtig, dass Wickelgürtel etwas nachgeben. Damit wird die Körpermitte nicht zu fest abgeschnürt.“

Mit ihrem Entwurf liegt Larissa Ziegler voll im Trend. Der Gürtel ist wieder da. Als ultimativer Hingucker sitzt er weit über der Hüfte. Vor allem sehr breite Modelle schnüren eine Wespentaille. Aber auch schmale Gürtel sind ein dezenter Hingucker – und häufig die vorteilhaftere Variante.

„Der schmale Taillengürtel ist nach wie vor ein Gütesiegel für guten Stil, da er immer eine sehr elegante und klassische Aussagekraft hat“, sagt die Styleberaterin Kathrin Hermanns. Das hängt auch damit zusammen, womit er getragen wird: Ein hauchzartes Modell liegt über Commas stilvollem Etuikleid, Sisleys langem Pullover oder dem schicken Bleistiftrock von Betty Barclay. Er schnürt beispielsweise einen Kurzblazer von Marc Cain oder Luisa Cerano. Aber auch zur Bleistifthose oder einer langen Strickjacke sind die dünnen und dezenten Gürtel ein Blickfang.

Eines fällt aber auf: Die ganz dünnen Gürtel werden weniger in den Katalogen der Hersteller. „Die schmalen Varianten über Blazern, Kleidern oder Strickteilen sind etwas breiter geworden, etwa zwei Zentimeter“, berichtet Silke Gerloff, Personal Shopper in Frankfurt am Main, aus dem Handel. Und noch mehr: Gerade auf den Laufstegen waren zuletzt Gürtel zu sehen, die die ganze Taille einnehmen.

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„Viele Designermodelle wie von Alexander McQueen, Yves Saint Laurent und Bottega Veneta erinnern in ihrer Breite an Mieder, Minikorsetts oder Schärpen“, beschreibt der Modeberater Andreas Rose diese Gürtel. Die Variante von Etro setzt direkt unter der Brust an und geht auf Hüfthöhe in eine Art Röckchen über. Das Modell von H&M ist ebenfalls oben enger anliegend und fällt dann etwas ab. Doch: „Die miederähnlichen Exemplare sind eher etwas für sehr mutige, modebewusste Frauen“, sagt Hermanns. Sie werden vornehmlich in der Abendmode getragen oder um dem Look etwas Rockiges zu geben.

Aber es gibt eine Zwischenlösung für den Alltag. In vielen Kollektionen finden Frauen Modelle, die dem japanischen Kimono-Gürtel Obi nachempfunden sind. Diese ähneln Schärpen und formen ebenfalls eine der Sanduhr ähnliche Silhouette. Sie passen am besten zu Etuikleidern, der Kombination von Rock mit einem schmalen Oberteil oder Mänteln. Besonders die sehr breiten Modelle sind opulent geschmückt, sagt Andreas Rose. Ornamente, Metalleinfassungen, Nieten, Lack und seitliche Schnallen zieren die Gürtel.

Allerdings sind die auffälligen und breiten Gürtel nicht an jeder Figur vorteilhaft. „Bei einem cleveren Design kann so ein breiter Gürtel und eine Schärpe schon mal einen kleinen Bauch wegkaschieren“, sagt Hermanns. „Allerdings können sie auch unschön eine große Oberweite oder den Bauch betonen.“ Grundsätzlich steht der Taillengürtel großen und schlanken Frauen am besten – nicht aber kleinen Frauen. „Denn der Gürtel halbiert den Körper und lässt die Trägerin daher kleiner wirken“, erläutert Kathrin Hermanns. „Die schmalen Gürtel stehen zierlichen und kleineren Frauen in der Regel sehr gut“, sagt die Stilberaterin.

Aber wenn es nach der Münchner Designerin Larissa Ziegler geht, sind diese Wahrheiten sowieso sehr relativ: „Mein Gürtel ist für alle, die mit ihrem Bauch zufrieden sind.“ (APA, aw)


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