Verwaistes Faggner Wirtshaus wiederbelebt

Denkmalamt und engagierte Wirtin haben den 1582 erstmals erwähnten Gasthof in Schwung gebracht. Motto des Hauses: „Marenda wia amea“.

Von Helmut Wenzel

Faggen –„Gäbe es, wie in Südtirol, einen Preis für das schönste alte Gasthaus, dann müsste man diesen dem Faggner­ Wirtshaus verleihen.“ Mit diesem Kompliment hat Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt kürzlich seine Wertschätzung gegenüber dem mustergültig restaurierten Haus an der ehemaligen Straße ins Kaunertal zum Ausdruck gebracht.

Zuletzt lag der 1582 erstmals erwähnte Gasthof 36 Jahre lang im Dornröschenschlaf, bevor er vor eineinhalb Jahren neu eröffnet werden konnte. Hauser sah vor allem einen kulturellen Auftrag für das Engagement des Denkmalamtes: „Ein im historischen Sinn selten schönes Gasthaus musste einfach wachgeküsst werden.“ Außen wurden die Fresken restauriert und die Optik des Renaissancehauses samt beiden Erkern aufgefrischt. „Innen haben wir die technische Infrastruktur aufgerüstet und dem Objekt eine Wärmedämmung verpasst“, schildert der Denkmalexperte.

Die beiden holzgetäfelten barocken Stuben versprühen Gasthauskultur aus vergangenen Zeiten, als der Stammtisch noch der Treffpunkt für Kommunikation im Dorf war. „Ich habe mich sofort in dieses altehrwürdige Haus verliebt“, gestand die leidenschaftliche Wirtin Doris Handle. „Immer wieder kommen Städter, auch aus Innsbruck, die das Ambiente zu schätzen wissen.“ Auf der Speisekarte wird „Marend wia amea“ (Jause wie früher) geboten – etwas Hauswurst, Bauerntoast, Graukas mit Zwiebel, Essig und Öl, Speck, Grammelschmalzbrote und Sulze mit Kalbfleisch. „Die meisten Zutaten stammen von Biobetrieben der Region, das ist mir sehr wichtig“, unterstreicht die Wirtin.

Ihr sind auch kleine Details wichtig, die bei den Gästen einen guten Eindruck machen könnten. So will sie etwa die Geschichte des Hauses aufbereiten und als Beiblatt in die Speisekarte legen.

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Dass das 380-Seelen-Dorf Faggen wieder ein eigenes Wirtshaus hat, ist auch für Bürgermeister Andreas Förg erfreulich. „Die Faggner sind jahrelang in die Lokale im Nachbardorf Prutz gegangen“, weiß er. Die junge Generation würde vom früheren Faggner Wirt kaum etwas wissen. „Das Haus wäre langsam, aber sicher verfallen, wäre es jetzt nicht renoviert worden. Dafür kann ich nur danken.“


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