Supersturm traf US-Ostküste mit voller Wucht: Mehrere Tote, 6,5 Mio. ohne Strom

„Sandy“ tobt seit der Nacht über der US-Ostküste. Mindestens 13 Menschen kamen bislang ums Leben.

New York – Der Supersturm „Sandy“ ist mit voller Wucht auf die US-Ostküste geprallt. Mit Windstärken von 130 Kilometern pro Stunde und starkem Regen traf sein Zentrum am Montagabend (Ortszeit, gegen 01.00 Uhr MEZ) im Süden des US-Staats New Jersey in der Nähe von Atlantic City auf das Festland. Das Nationale Hurrikan-Zentrum stufte ihn zwar nunmehr als post-tropischen Wirbelsturm ein. Das machte ihn aber nicht weniger gefährlich: Seine Böen hatten immer noch Hurrikan-Stärke. Nach ersten Berichten forderte der Sturm zumindest vier Menschenleben. In zahlreichen Städten standen Straßen unter Wasser. 6,5 Millionen Menschen in zehn Bundesstaaten und D.C. waren laut CNN am frühen Montagabend ohne Strom. Die Behörden wiesen mehr als eine Million Menschen an, küstennahe Gebiete zu verlassen.

Mindestens 14 Todesopfer

„Sandy“ forderte bereits in den ersten Stunden erste Todesopfer. Die meisten der Opfer kamen durch umstürzende Bäume ums Leben, hieß es am Montagabend (Ortszeit) in US-Medien und seitens der Behörden. Zwölf Tote habe es in den Bundesstaaten New York, New Jersey, Maryland, Pennsylvania, West Virginia und North Carolina gegeben.

Zwei Kinder wurden in der Nähe von New York getötet. Nach Angaben der Behörden spielten die beiden im ersten Stock eines Hauses, als ein großer Ast das Dach durchschlug und die Kinder unter sich begrub. Ihr Alter wird mit „unter 14“ Jahren angegeben.

Als „Sandy“ in Conneticut ankam, kam laut CNN eine Frau ums Leben. In der kanadischen Metropole Toronto starb nach Polizeiangaben eine Frau durch herumfliegende Gegenstände.

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Mindestens fünf Menschen wurden im Zusammenhang mit dem Unwetter im Staat New York getötet. Darunter war ein 30-jähriger Mann, der im New Yorker Stadtteil Queens von einem Baum erschlagen wurde. Nahe der Metropole in Westchester wurden nach Behördenangaben zwei Kinder von einem Baum getötet worden sein, der das Dach eines Wohnhauses durchschlug. In Morris County in New Jersey starben zwei Menschen, als ein Baum auf ihr Fahrzeug stürzte. In Pennsylvania kam ein Mensch durch einen umfallenden Baum und ein weiterer beim Einsturz eines Hauses ums Leben. In Maryland und West Virginia wurden zwei Frauen bei Autounfällen getötet.

Vor der Küste von North Carolina sank infolge des Sturms ein Dreimaster. Während 14 der 16 Besatzungsmitglieder per Helikopter aus ihren Rettungsbooten geborgen werden konnten, kam für eine 42-jährige Frau, die am Abend von der Küstenwache leblos aus dem Atlantik gezogen wurde, jede Hilfe zu spät. Der 63-jährige Kapitän der 1962 für einen Filmdreh gebauten „HMS Bounty“ wurde weiter vermisst. Bei seinem Zug durch die Karibik hatte der Hurrikan in den vergangenen Tagen bereits 67 Menschen getötet.

U-Bahn in New York überflutet

Im 200 Kilometer nördlich gelegenen New York stiegen die Pegelstände auf Rekordhöhen. Damit wuchs die Gefahr größerer Überflutungen. Schwer in Mitleidenschaft wurde die U-Bahn in New York gezogen: Ganze Stationen und der Tunnel unter dem East River wurden überschwemmt, die betreffenden Abschnitte könnten nun für längere Zeit außer Betrieb sein. In New York und im benachbarten Westchester County waren fast 600.000 Menschen ohne Strom. Teilweise war der Strom vorsorglich abgestellt worden, zumeist versagte aber das Netz oder wurde durch umgestürzte Bäume unterbrochen.

Die Spielermetropole Atlantic City im US-Staat New Jersey wurde laut CNN-Berichten schwer überflutet. In New Jersey wurde das älteste Atomkraftwerk der USA, Oyster Creek, wegen bedrohlich gestiegenen Wasserpegels abgeschaltet.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg forderte die Einwohner der Stadt auf, auf keinen Fall auf die Straße zu gehen. „Wo immer Sie gerade sein mögen: Bleiben Sie da!“, sagte Bloomberg am Montagabend im Rathaus. Zugleich solle der Notruf nicht wegen Sachschäden oder leichten Verletzungen genutzt werden: „Rufen Sie nur an, wenn es um Leben und Tod geht.“

Explosion in New Yorker Umspannwerk

In einem New Yorker Umspannwerk kam es in der Nacht zu einer Explosion. Bilder zeigten einen gewaltigen Feuerball aus der Anlage in der Lower East Side von Manhattan. Von Verletzten wurde zunächst nichts bekannt. Auch Berichte über eingeschlossene Arbeiter bestätigte der Stromversorger ConEdison nicht.

Der Unfall verschärfte die Lage in Manhattan nach zahlreichen Stromausfällen weiter. Allein die Explosion schnitt 250.000 Menschen vom Strom ab. In den Medien wurde spekuliert, dass die Detonation in dem Umspannwerk ein Sturmfolge sein dürfte.

Starkregen und Schneestürme drohen

Meteorologen zufolge handelt es sich bei „Sandy“ um einen sehr seltenen Super-Sturm, bei dem arktische Luftströme sich um den aus den Tropen kommenden Wirbelsturm wickeln würden. Die Kombination dieser beiden Wetterphänomene an sich ist schon gefährlich genug. Doch droht über dem Festland der Zusammenschluss mit einem dritten Sturm, der sich aus dem kalten Norden von Kanada aus nähert. Dadurch würde der Sturm sich nur noch langsam bewegen und relativ lange über der Region toben.

Die Folge können unter anderem sintflutartige Regenfälle mit bis zu 30 Zentimetern Niederschlag sein. In den Höhenzügen kann bis zu einem Meter Schnee fallen. Vom Auge des Sturms bis zu seinen entferntesten Ausläufern liegen mehr als 800 Kilometer - ein enormes Ausmaß, für das Sandy als einmalig eingestuft wird. (APA/Reuters/dpa/AFP, tt.com)


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