Zum neuen Job mit Vitamin B

Immer mehr Berufstätige denken über Jobwechsel und Karrieresprünge nach. Persönliche Beziehungen und soziale Netzwerke gewinnen dafür an Bedeutung.

Von Ernst Spreng

Innsbruck –Ein Jobwechsel aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus in ein neues spukt in vielen Köpfen herum. Rund ein Fünftel aller Österreicher hat laut einer aktuellen IMAS-Befragung in den vergangenen Monaten an eine berufliche Neuorientierung gedacht. Immerhin ein Drittel der Wechselwilligen denkt wöchentlich einmal an einen Jobwechsel. Tirol liegt dabei im Spitzenfeld derjenigen, die Lust auf etwas Neues haben. Laut der IMAS-Umfrage haben 25 Prozent der Tiroler Arbeitnehmer bereits ernsthaft mit dem Wechsel des Arbeitsplatzes spekuliert. Der Hauptgrund für einen Jobwechsel ist pragmatisch: 49 Prozent der Befragten gaben an, dass das derzeitige Gehalt zu gering sei.

Erwin Niederwieser, Leiter der Abteilung Bildung in der Arbeiterkammer Tirol, sieht für den vermehrten Jobwechsel aber noch andere Gründe. „Bei unseren Beratungen zu neuen Bildungswegen orten wir vermehrt das Bedürfnis, sich neu zu orientieren“, erzählt Niederwieser. „Das Angebot ist größer geworden. Der Wunsch, sich in neuen Branchen zu probieren, steigt.“ Niederwieser führt die Wechselfreudigkeit auch darauf zurück, dass die Loyalität zum Unternehmen oft durch befristete Arbeitsverhältnisse nicht mehr gegeben ist. „Mit befristeten Dienstverhältnissen oder durch Leiharbeiter kann man keine Bindung zum Unternehmen aufbauen“, erklärt der Bildungsexperte. „Und dabei wäre die Sehnsucht der Menschen nach einem Arbeitsplatz, wo man sich dauerhaft und fest entfalten kann, größer denn je.“

Das berühmte „Vitamin B“ ist beim Wechseln des Jobs ein wichtiger Einflussfaktor. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob man der Sohn des Freundes eines Bekannten ist, sondern vielmehr, welche Kontakte man sich in seinem bisherigen Berufsleben aufgebaut hat. „Networking auf Veranstaltungen ist eine der besten Formen, um seine Person ins Gespräch zu bringen“, rät der international tätige Personal- und Businesscoach Heinz Urban. „Die Erfahrung aus meiner Zeit in Österreich hat mir gezeigt, dass dieses Netzwerken gerade in Österreich ein absolutes Muss ist“, verrät der Personalprofi, der nach dem Aufbau eines Personaldienstleisters in Österreich nun in Deutschland tätig ist. Urban rät dazu, die verschiedensten Internetplattformen zu nutzen. „Ein guter Lebenslauf auf Xing und ähnlichen Plattformen ist für den aktuellen Arbeitgeber vollkommen unverfänglich, weil normal“, erzählt Urban. „Diese Lebensläufe sollten natürlich frei zugänglich sein, denn nur so können beispielsweise Headhunter darauf zugreifen.“ Auch die Mitarbeit in Clustern und ähnlichen Verbänden sieht Urban als wichtiges Werkzeug, um im Gespräch zu bleiben.

Urban weiß aber aus eigener Erfahrung, dass Personaldienstleister in ganz Europa immer mehr Geld für soziale Netzwerke ausgeben, da sie so den größtmöglichen Bewerberkreis erhalten. „Österreich hat hier eine gewisse Sonderstellung in Europa“, erklärt Urban, „denn hier spielt der Stellenmarkt in Printmedien weiterhin eine zentrale Rolle.“

Auch wenn das soziale Netzwerk und gutes Netzwerken im realen Arbeitsalltag immer wichtiger beim Jobwechsel werden, zwei klassische Punkte sind für die Experten noch wesentlich wichtiger. „Das Erste ist ein wirklich gut formulierter Lebenslauf“, meint Erwin Niederwieser von der AK. „Er ist unsere Visitenkarte und kann durch nichts ersetzt werden. Hier zahlt es sich aus, sich Tipps bei Experten zu holen.“ Personalcoach Heinz Urban bringt den zweiten Generalfehler auf den Punkt: „Schlecht über seinen bisherigen Dienstgeber zu reden, das geht gar nicht.“ Urban empfiehlt, besser die eigene Motivation für den Jobwechsel – also die Zukunftsperspektiven – in den Vordergrund zu stellen.


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