Gräber bleiben nicht namenlos

Für 32 Familien hat das Warten auf ein Urnengrab am Lienzer Friedhof ein Ende. Die Anlage „Garten der Stille“ ist fertig, nur die Inschriften fehlen noch.

Von Catharina Oblasser

Lienz –Leise plätschert ein Brunnen und die frisch gesetzten Trompetenbäume werden später einmal viel Schatten spenden. Graue Betonfertigteile, besetzt mit Glasplatten in dunklem Lila, bilden die Gräber für den neuen Urnenfriedhof in Lienz. Einige der Platten sind durchsichtig, dahinter sind Gefäße in Becher-, aber auch in Herzform zu erkennen. Die Nischen unter und neben den Stellplätzen sind individuell gestaltet. Fotos der Verstorbenen, künstliche Blumen, Engelsfiguren und viele Kerzen teilen sich den schmalen Platz. Nur die Namen der Verblichenen sind noch nirgends zu sehen.

„Wir waren bisher damit beschäftigt, jene Urnen, die schon lange auf die Beisetzung warteten, zu übersiedeln“, erklärt Bürgermeisterin Elisabeth Blanik. 32 Urnen waren die letzten zwei bis drei Jahre vorübergehend in einer Gruft am alten Friedhof beigesetzt worden. Manche Familien behielten die Asche ihrer Verstorbenen auch im eigenen Garten.

Sie alle haben im neuen „Garten der Stille“ nun ihren zugedachten Platz eingenommen. „In nächster Zeit bekommen die einzelnen Urnengräber Inschriften mit Namen und Sterbedatum des Betreffenden. Das dauert nur noch ein bisschen“, meint die Bürgermeisterin. Wichtig sei der Stadt vor allem gewesen, die Anlage noch vor Allerheiligen fertig zu stellen. 150.000 Euro gab die Gemeinde Lienz bisher für den neuen Urnenfriedhof aus. Bei Bedarf ist die Anlage mit derzeit drei Nischenwänden nach allen Seiten hin erweiterbar. Deshalb ist es nicht nötig – und auch nicht möglich –, noch zu Lebzeiten einen Platz zu reservieren. „Sonst wären von den 72 Gräbern schon wieder alle vergeben“, schildert Blanik.

„Für die Hinterbliebenen ist es wichtig, dass eine Grabstelle ansprechend ist und sie sich vorstellen können, öfters dorthin zu gehen“, erklärt der Lienzer Bestatter Claus Bergmeister. Auf den „Garten der Stille“ trifft das nach seinen Informationen zu. „Ich habe bis jetzt nur Positives darüber gehört.“ Gewünscht werde in Osttirol sowohl die Erd- als auch die Urnenbestattung, sagt Bergmeister. „Aber Urnenbestattungen nehmen immer weiter zu.“ Welche Art billiger ist, ließe sich nicht generell sagen.


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