Die Bugattis unter den Betten

Abgesehen davon, dass man sich die Betten erst einmal leisten können muss, ist schon die Frage erlaubt, ob so viel Luxus einen wirklich besser schlafen lässt. Die Hersteller beziehen da klarerweise eindeutig Position.

Von Ursula Philadelphy

Innsbruck –Toll oder dekadent. Das ist die Frage, wenn man allerorten über die neue Bettengeneration liest, bei der sich ein edles Exemplar – und beileibe nicht Kingsize – schon einmal mit 65.000 Euro oder sogar mehr zu Buche schlagen kann, wie der Medienhype zu erzählen weiß. Das sind gut und gerne zwei Mittelklasseautos oder ein Luxusschlitten oder sonst irgendetwas, worüber der Normal­verbraucher nie nachdenken muss, weil schlicht und einfach irrelevant.

Aber bei einem Bett interessiert es dann doch, ob so viel Luxus auch ganz besondere Qualitäten hat und für wahrhaft göttlichen Schlaf sorgen kann. Die schwedische Bettenmanufaktur Hästens und das britische Pendant Vi-Spring haben dabei die Nase vorne. Mit „High End Sleeping“ wirbt auch die deutsche Schramm Manufaktur­, die ihr Produkt schlicht als „Grand Cru“ bezeichnet. „Hand­made in Germany, die edelsten Zutaten, fast hundert Meisterstunden und der perfekte Zuschnitt auf den Benutzer garantieren einen königlichen Schlafkomfort.“

Äußerlich sind sich alle Betten übrigens sehr ähnlich, eher unprätentiös. Formal hat man sie bisher eher den USA oder Skandinavien zugeordnet, in unseren Breiten dominierten bislang die Kombinationen mit den unterschiedlichsten Lattenrosten. Auch Wittmann und Treca de Paris, Ligne Roset, Flexform oder Minotti, um nur einige Produzenten zu nennen, schauen nicht anders aus, kosten aber einen Bruchteil. Bei Wittmann kann man sogar, wie auch bei den Fauteuils, bei der Produktion des eigenen Bettes dabei sein. Dann weiß man ganz genau, worauf man schläft.

Es sind so genannte Boxspringbetten, die im Prinzip aus drei Teilen bestehen: dem Unterbau, einer Matratze und einer Auflage. Die Qualität dieser einzelnen Teile bestimmt schlussendlich den Preis. Mit ein maßgeblicher Faktor ist letztlich auch ein nicht unbedingt rationaler Aspekt, gepaart mit der individuellen Überzeugung, wie man Schlafkomfort definiert.

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Was macht nun den Reiz dieses angeblich so besonderen Schlafkomforts aus? Es ist die Mischung aus Naturmaterialien und Handfertigung. Allein die Naturmaterialien legen den Schluss nahe, dass der Komfort wirklich ein exorbitanter sein muss.

Bei Hästens etwa stecken bis zu 160 Stunden Handarbeit in einem Bett, wird der Bettrahmen mit Schwalbenschwanzverbindungen gearbeitet, werden für Matratzen und Auflagen Rosshaar, Leinen, Baumwolle und Wolle­ verwendet und haben die Stahlfedern eine zehnfache Windung. Insgesamt bestehen Unterteil, Matratze und Auflage aus 22 Schichten! Natur pur und bis zu 64 Zentimeter hoch. Man kann nicht nur die Stoffe wählen, sondern auch die Füße sowie das Kopfteil, das es sogar in Leder gibt. Vintage Look und Hommage zugleich, an Hästens Ursprung als Sattlerei. Selbstverständlich gibt es auch die Möglichkeit, die beiden Betthälften in unterschiedlichen Festigkeitsgraden zu ordern – und es gibt eine 25-jährige Garantie auf das Ganze.

Auch die Briten setzen mit Vi-Spring auf Naturmaterialien und Handarbeit und garantieren einen lebensverändernden Schlaf. Die Auflage „Heaven Luxury Supreme“ verspricht ja schon einiges und besteht aus feinsten Naturfasern wie reiner britischer Schafwolle, Baumwolle und südamerikanischem Rosshaar. Ein dickes Plus für Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung, denn immerhin sondert man pro Nacht bis zu einem Liter Flüssigkeit ab. Bei den Matratzen schaut es nicht anders aus. Nur das Feinste vom Feinen ist gut genug und Handarbeit in weiten Teilen ein Muss. Bei Schramm formuliert man es gekonnt, will man doch „für das kostbare und flüchtige Phänomen Schlaf die perfekte Unterlage schaffen“. Die „dreamfactory“ arbeitet mit immer ausgereifteren Methoden und rät dazu, die Nacht zu nutzen – „Carpe Noctem“ – „für einen guten Morgen, für einen aktiven Tag, für ein langes Leben“.


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