Keine Sprengstoffspuren am Wrack von Kaczynskis Unglücksmaschine

Polens Militärjustiz dementierte einen Zeitungsbericht, wonach Spuren von Sprengstoff am Wrack gefunden worden seien.

Warschau – Polens Militärjustiz hat Berichte dementiert, wonach Spuren von Sprengstoff im 2010 abgestürzten Flugzeug des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski gefunden worden seien. Der Bericht der Zeitung „Rzeczpospolita“ enthalte eine Reihe von falschen oder zumindest ungenauen Behauptungen, sagte der Chef der Warschauer Militärstaatsanwaltschaft, Ireneusz Szelag, am Dienstag.

Die Zeitung hatte geschrieben, am Wrack seien Spuren von Nitroglyzerin und Trotyl gefunden worden. Diese Stoffe können Explosionen auslösen. Der Fund ist Nahrung für diejenigen, die hinter dem Unglück einen Anschlag Russlands vermuten. Sie fordern, die ganze Untersuchung neu aufzurollen.

Es wurde laut “Rzeczpospolita“ vor allem das Wrack der verunglückten Maschine untersucht, wo man auf rund 30 Passagiersesseln und am Flügel zahlreiche Spuren von Trotyl und Nitroglyzerin gefunden hat. Sachverständige und Staatsanwälte sind im momentanen Stand der Ermittlungen nicht imstande eindeutig festzustellen, woher die Sprengstoffe auf den Wrackteilen stammen. Es wird auch die Hypothese geprüft, ob die Chemikalien vielleicht Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg sind, die sich bereits früher auf dem Katastrophenort befunden haben könnten.

Der Chef der nationalkonservativen Oppositionspartei PiS Jaroslaw Kaczynski forderte nun die Einberufung einer außerordentlichen Parlamentssitzung und eine offizielle Information von Generalstaatsanwalt Andrzej Seremet. „Mord ist hier sehr wahrscheinlich und diese Hypothese sollte gründlich untersucht werden“, so Kaczynski.

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Die Experten der von der PiS berufenen parlamentarischen Untersuchungsgruppe für die Ursachen der Smolensk-Katastrophe behaupten seit einigen Monaten, dass zwei Explosionen kurz vor der Landung die wahrscheinlichste Ursache des Absturzes gewesen seien. Eine von ihnen habe auf dem linken Flügel stattgefunden. Die zweite Explosion im Inneren des Rumpfes soll die starken Beschädigungen und die Zersplitterung der Maschine verursacht haben.

Ein Bericht der polnischen Untersuchungskommission unter Leitung des ehemaligen Innenminister Jerzy Miller hatte als Ursachen des Absturzes die niedrige Flughöhe, eine zu hohe Geschwindigkeit beim Sinkflug sowie schlechte Wetterbedingungen, die den Augenkontakt mit dem Boden unmöglich machten, ausgemacht.

Bei dem Unglück waren am 10. April 2010 alle 96 Passagiere ums Leben gekommen. Neben Lech Kaczynski befanden sich Abgeordnete, Geistliche und die gesamte polnische Armeeführung an Bord des Flugzeugs. (APA/dpa)


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