Nach „Mäuse-Fußball“ knapp an Haft vorbei

Von Reinhard Fellner...

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Wegen einer besonders geschmacklosen Tierquälerei mussten sich gestern zwei Oberländer am Landesgericht verantworten. Den beiden 23-Jährigen wurde vorgeworfen, dass sie im Juni vier zahme Mäuse unter Gelächter über den Balkon im ersten Stock auf den Asphalt geworfen hätten. Dem nicht genug, hätten anschließend beide vor dem Tatort – einem Innsbrucker Wohnhaus – mit den noch lebenden Tieren Fußball gespielt.

Am ersten Prozesstag leugnete der einzig erschienene Zweitangeklagte den angeklagten Vorfall vor Richter Thomas Dampf erst gar nicht. Die Verantwortung schob er jedoch dem Erstangeklagten zu. So habe sein Freund aus Wut über einen Beziehungsstreit die Mäuse der Freundin auf den Parkplatz geworfen und später wie wild auf sie eingetreten. Er selbst habe nur einmal mit dem Fuß gegen ein Tier getreten, um zu sehen, ob es noch lebt. Aufnahmen eines entsetzten Nachbarn und die Bilder des Tierarztes sprechen jedoch eine eigene Sprache.

„Kennen Sie die Polizeibilder? Den Tieren ist der Kopf aufgeplatzt und die Gedärme sind ausgetreten!“, fragte Richter Dampf dann den gestern erschienenen Erstangeklagten fassungslos.

Dieser wollte die Tiere jedoch nur aus dem Käfig gelassen haben. „Ihr Nachbar bezeugte aber, dass die Mäuse unter Gelächter an ihm vorbei geflogen wären. Seit wann können Mäuse denn fliegen?“ „Ja ein paar sind mir halt über das Geländer geflogen!“, antwortete der Angeklagte, der sich ansonsten wegen Alkoholisierung und Drogensucht an nicht mehr viel erinnern wollte. Nur herumgehüpft sei er auf den Mäusen ganz bestimmt nicht: „Da hätt‘ ich mir ja die Schuhe versaut!“

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Die einstigen Nachbarn des 23-Jährigen – ein Ärztepaar – wussten vor Gericht ohnehin ein Lied von dem Duo zu singen. Wurden sie doch bedroht und angeflegelt. Sie und eine andere Nachbarin war deshalb schon ausgezogen.

Bei einem Strafrahmen von bis zu einem Jahr Haft schrammten dann beide Angeklagten mit Geldstrafen von 1200 beziehungsweise insgesamt 1440 Euro haarscharf an Gefängnisstrafen vorbei. Der Erstangeklagte profitierte von einer Tatbegehung im Vollrausch. Dem Zweiten konnte letztlich nur die Tötung einer einzigen Maus nachgewiesen werden.


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