Salzburger Vergewaltiger bekommt Fußfessel, Opfer „versteht es nicht“

Der 51-Jährige soll vor Jahren ein Mädchen mehrfach vergewaltigt haben. Ins Gefängnis muss er aber nicht. Das Opfer reagiert schwer enttäuscht.

Salzburg - Ein 51-jähriger Sexualstraftäter aus Salzburg, der 2005 und 2006 ein damals 15- bzw. 16-jähriges Mädchen mehrfach vergewaltigt und sexuell missbraucht hat und rechtskräftig zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt (acht Monate davon unbedingt) worden ist, muss nicht ins Gefängnis. Der Verwaltungsgerichtshof hat nun den elektronisch überwachten Hausarrest, also die Fußfessel, bewilligt.

Er wies die Beschwerde der Vollzugsdirektion als unbegründet ab. Das Gericht stützte sich dabei auf einen Bericht des Vereins Neustart, wonach ein Missbrauch dieser Vollzugsform nicht zu befürchten wäre.

„Der Mann hat sich seit sechs Jahren nichts mehr zuschulden kommen lassen, es gibt auch keine Anhaltspunkte, dass er in den nächsten sechs Monaten erneut straffällig wird“, erklärte ein Sprecher des Verwaltungsgerichtshofes.

Opfer zeigte sich in erster Reaktion enttäuscht

Enttäuscht reagierte jene inzwischen 22-Jährige, die von dem früheren Hundeausbildner mehrmals vergewaltigt worden war. „Ich verstehe das einfach nicht“, sagte sie in einer ersten Reaktion. Sie kritisiert vor allem den Verein Neustart, der in seiner Stellungnahme angab, dass keine missbräuchliche Verwendung der Fußfessel zu erwarten sei.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Sie habe Neustart darüber informiert, dass sie von ihrem Vergewaltiger noch heute verfolgt werde, worauf sie lediglich zur Antwort bekommen habe, dass es verständlich sei, dass der 51-Jährige für sie ein unsympathischer Mensch sei. Außerdem habe der Verein nur geprüft, ob der Mann inzwischen nochmals verurteilt worden sei, nicht aber, ob zwischenzeitlich gegen ihn ermittelt, das Verfahren aber eingestellt worden sei oder immer noch ermittelt werde. „Die Begutachtung war fehlerhaft, weil man auf die Risikofaktoren nicht eingegangen ist“, so die junge Frau.

Verärgert zeigte sie sich auch über das „Signal, das damit auch an andere Opfer ausgeht“. Und auch die Aussage, dass der 51-Jährige seit seiner Verurteilung nicht mehr straffällig geworden sei, sei zu hinterfragen, wenn man wisse, wie lange es dauere, bis Opfer sprechen. In ihrem Fall selbst hofft sie, dass Neustart „seine Fehler“ noch erkenne und es dann noch eine Möglichkeit zur Korrektur der nunmehrigen Entscheidung komme. (APA)


Kommentieren


Schlagworte