„Er war großartig“: Republikaner lobt Obamas Kriseneinsatz

Barack Obama wittert seine Chance. Unverhofft verschafft „Sandy“ ihm die Möglichkeit, sich als sorgender Landesvater und zupackender Commander-in-Chief in Szene zu setzen. Sogar ein prominenter Republikaner überschüttet ihn mit Lob.

Washington, New York - Wenn ausgerechnet Chris Christie nichts als überschwängliche Lobesworte für US-Präsident Barack Obama findet, dann muss die Welt wirklich Kopf stehen. Der republikanische Gouverneur von New Jersey zählt zu den wichtigsten Fürsprechern von Obama-Herausforderer Mitt Romney. Eigentlich lässt er vor der Präsidentenwahl am 6. November keine Gelegenheit zu beißender Kritik am Amtsinhaber aus. Doch am Dienstag war alles anders: Wirbelsturm „Sandy“ hatte in der Nacht ein solches Chaos in Christies Heimatstaat angerichtet, dass ihm die Lust am Wahlkampf vorerst vergangen war.

„Ich kann ihn immer anrufen“

„Ich will dem Präsidenten persönlich für all seine Hilfe danken“, sagte Christie in jedem Fernsehinterview. Obama habe die Lage perfekt im Griff und stünde dem mit Todesopfern, Stromausfällen und Sturmfluten geschlagenen New Jersey fest zur Seite. „Der Präsident war großartig, ich habe merhmals mit ihm telefoniert, zuletzt hat er mich um Mitternacht angerufen und gefragt, was wir brauchen“, sagte Christie in mehreren Fernsehinterviews. „Er hat mir seine Telefonnummer im Weißen Haus gegeben und gesagt, dass ich ihn anrufen kann, wann immer wir etwas brauchen - und er hat es so gemeint“, so der Gouverneur weiter.

Auf Fragen, ob solche Worte nicht den Wahlkampf beeinflussen könnten, meinte er am Dienstag: „Ich kümmere mich einen Dreck um den Wahlkampf.“

Auch via Twitter bedankte er sich beim Präsidenten: „The president has been outstanding in this, and the federal government’s response has been great. Credit where credit is due, folks.“

Solch lobende Worte für Obama ließen Politikbeobachter staunen, aber sie standen für die Stimmung im ganzen Land: Der Wahlkampf scheint den Wassermassen zu weichen, der pfeifende Sturmwind die bissigen Slogans zu übertönen.

Keiner der Kandidaten konnte es sich wirklich leisten, im Endspurt des milliardenteuren Kopf-an-Kopf-Rennens plötzlich von der Bildfläche zu verschwinden. Zwar zog sich Obama ins Weiße Haus zurück und konzentrierte sich auf seinen Job als „Oberbefehlshaber“ der Rettungsbehörden. Aber dafür schickte er First Lady Michelle, Vizepräsident Joe Biden und Ex-Präsident Bill Clinton zu den Kundgebungen. Seine Werbespots nahm Obama ebenfalls nicht aus den Fernsehprogrammen - auch die Einwohner der betroffenen Staaten bekamen zwischen den Hurrikan-Schreckensmeldungen Wahlwerbung zu sehen.

Romney beendet „Waffenstillstand“

Für Romney ist es problematischer, das richtige Gleichgewicht aus Wahlkampf und Zurückhaltung zu finden. „Es ist eine schwierige Situation für den Herausforderer, den richtigen Ton zu finden“, sagte die ehemalige Redenschreiberin des republikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush, Mary Cary, dem Web-Magazin Politico. „Ich glaube, im Moment lässt sich nicht punkten.“

Und so will Romney bereits heute den „Waffenstillstand“ schon wieder beenden und in Florida mehrere Wahlkampfveranstaltungen abhalten. Am Dienstag hatte er einen Wahlkampfauftritt im besonders heiß umkämpften Bundesstaat Ohio in eine „Hilfsaktion“ für die Sturmopfer umfunktioniert. Jeder Beitrag zähle, sagte Romney vor Anhängern in Kettering. Danach half er etwa eine halbe Stunde lang beim Verpacken von Konservenbüchsen für Bedürftige in den Katastrophengebieten.

Obama besucht Katastrophengebiete

Präsident Barack Obama dagegen besucht besonders schwer getroffene Überschwemmungsgebiete im Bundesstaat New Jersey - ein Hauch von Wahlkampf ist auch dort dabei. Beim Durchzug des Sturms in den US-Küstengebieten um New York und Washington kamen Dutzende Menschen ums Leben. Romney plant laut seinem Wahlkampfbüro Auftritte in Tampa und Jacksonville. Er tritt gemeinsam mit dem bei Latinos besonders beliebten Senator Marco Rubio auf. Florida gilt als einer der wichtigsten Swing-States, in denen das Ergebnis noch völlig offen ist. Umfragen zufolge liegen Obama und Romney dort gleichauf.

Obama besucht dagegen die vom Unwetter schwer getroffene Stadt Atlantic City. Er werde sich dort ein Bild der Zerstörungen machen. Der Blitzbesuch dauert lediglich knapp drei Stunden. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, werde ihn dabei begleiten, teilte das Weiße Haus mit.

Druck auf Energieunternehmen

Obama setzt ganz offensichtlich darauf, sich als besorgter Landesvater, zugleich aber auch als zupackender Krisenmanager zu präsentieren. Am Dienstagabend etwa sprach er mit Chefs von Energieunternehmen, um Druck zu machen, dass Millionen von Amerikanern bald wieder Strom haben. Die Wiederherstellung der Stromversorgung habe oberste Priorität, betonte Obama nach Angaben des Weißen Hauses.

Obama und Romney liefern sich nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Ausgang der Wahl am nächsten Dienstag, 6. November, ist völlig offen.


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