Blühende Poesie im Wintergarten

Mit wenig Aufwand kann man eine winterliche Blütenpracht in den Garten zaubern. Davon profitieren Vögel und Insekten, vor allem aber auch die eigene Gesundheit, erklärt Florist und Gärtner Josef Pöll.

Schaut man im Herbst aus dem Fenster, präsentieren sich viele Gärten kahl und trostlos. Wie kann man seinem Garten auch im Winter Leben einhauchen?

Josef Pöll: Dazu gibt es viele Möglichkeiten. Zum einen präsentieren sich viele Bäume und Sträucher im Herbst und Winter in einem besonderen Gewand. Etwa die Birke mit ihrer weißen Rinde, die Winterlinde, deren junge Triebe im Herbst kräftig orange leuchten oder der Ranunkelstrauch mit seinen grünen Zweigen, der im Herbst und Winter blüht, wenn er geschützt steht. Aber auch durch den Schnitt von Hecken kann man seinem Garten eine besondere Atmosphäre verleihen. Klassiker wie Thuje, Eibe, Buchs oder Hainbuche lassen sich wunderbar in Form schneiden. Formgehölze wirken allgemein im Winter noch intensiver.

Worauf muss man beim Schneiden achten?

Pöll: Wichtig ist, dass man beim Schneiden den Sträuchern nicht einfach „über den Kopf rasiert“, sondern den individuellen Charakter der jeweiligen Baum- bzw. Strauchart bewahrt. Zum Beispiel bei der Zaubernuss sollte man den trichterförmigen Wuchs beachten und den Schwung der Pflanze. Deshalb ist es ratsam, einen Fachmann den Schnitt durchführen zu lassen.

Eine gut geschnittene Hecke ist aber nicht nur optisch schön!

Pöll: Richtig. Laubholzhecken sind für Singvögel besonders wertvoll – als Schutz und Nahrungsquelle. Das Beobachten der Vögel ist dann wiederum ein Mehrwert für den Menschen, eine meditative Erfahrung.

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Gibt es auch blühende Sträucher?

Pöll: Mit dem Winterduftenden Schneeball, verschiedenen Weidenarten, der Zaubernuss (Hamamelis) oder der Winterduftenden Heckenkirsche zaubert man wunderbare Farben in sein winterliches Gartenreich und leistet zudem einen großen Beitrag zur Artenvielfalt – denn auch diese Pflanzen sind eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten. Andere Arten wie der Liebesperlenstrauch tragen ihre schönen bunten Früchte bis weit in den Winter hinein.

Kann man diese Pflanzen überall setzen?

Pöll: Das hängt schon von der Region ab. In großen Seehöhen wird es schwieriger. Aber generell gibt es viele Möglichkeiten, seinen Wintergarten mit sehr robusten Arten zu bepflanzen.

Gibt es auch Blumen, die im Winter blühen?

Pöll: Ja. Die verschiedenen Zwiebelblumen wie die Winterlinge entfalten ihre Blütenpracht bereits im Winter. Dazu gehören z. B. verschiedene Schneerosentypen – das Schneeglöckchen, der Krokus vernus, das Alpenveilchen, die Nieswurz oder das Gedenkemein; diese braucht aber ein etwas geschütztes Plätzchen. Besonders in Mode gekommen sind auch die verschiedensten Grasarten wie Chinaschilf über Lampenputzergras, die etwa bei Raureif ein wunderbar malerisches Bild zeichnen.

Viele schätzen einen schönen Kräutergarten. Welche Kräuter überdauern auch den Winter im Garten?

Pöll: Viele Kräuterarten sind winterhart und blühen auf, sobald die Schneedecke etwas zurückgeht. Dazu gehören etwa das Heiligenkraut, Lavendel, die Elfenblume oder verschiedene Steinbrech- und Salbeiarten.

Kräuter verfeinern aber nicht nur das Essen. Sie tun auch dem Organismus gut.

Pöll: Natürlich sind Pflanzen und Kräuter, die man im eigenen Garten zieht, besonders gesund. Vor allem Wildpflanzen wie die Brennnessel und Spitzwegerich oder auch der Spinat sind ausgezeichnete Heilpflanzen. Sie stärken das Immunsystem und unterstützen die Verdauung. In der Regel gilt: Je dunkler das Grün der Blätter, desto chlorophyllhaltiger sind sie und desto gesünder – wenn man sie regelmäßig verzehrt.

Wenn man nun keinen Garten hat, aber trotzdem von der stärkenden und heilenden Wirkung profitieren möchte?

Pöll: Dann kann man einen kleinen Wildpflanzen- und Kräutergarten am Balkon anlegen. Man pflanzt Kresse, Löwenzahn, Spitzwegerich und Co. in Kisten, verpackt diese in Vlies und stellt sie auf den Balkon, sobald es etwas wärmer wird – so um den Februar herum. Und schon hat man eine kleine Heilpflanzenoase. Dabei kann es in der Nacht aber durchaus noch Minusgrade haben. Für Dezember und Jänner kann man in der Wohnung zudem Keimlinge ziehen. Dazu werden die Samen z. B. von Kichererbsen, Bohnen oder verschiedenen Getreidearten einfach in Gläsern oder Tassen ein paar Tage eingeweicht, bis sie keimen und bereit sind zum Verzehr. Die Keimlinge sind eine ideale Nährstoffquelle und schmecken zudem richtig gut.

Das Interview führte Nicole Ginzinger


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