„Grundstückspreise wie in Tschechien sagen alles“

Der Verbindungslift zwischen den Skiorten Lech und Warth wird gebaut. Wirtschaftskammerchef Baldauf sieht große Perspektiven für das Lechtal.

Von Helmut Mittermayr

Elbigenalp, Warth, Lech –Im oberen Lechtal wird es eine Zeitrechnung vor und nach der Errichtung des Auenfeldjets geben – könnte zugespitzt formuliert werden. Mit der Inbetriebnahme des Verbindungsliftes zwischen Warth und Lech in rund einem Jahr liegt das Lechtal plötzlich nur wenige Fahrminuten von „einem der attraktivsten Skigebiete der Welt entfernt“. Der Außerferner Wirtschaftskammerobmann Michael Baldauf ist Hotelier in Elbigenalp. Er und sein Bruder führen das einzige Viersterne-S-Haus im ganzen Tal. Er glaubt, dass die neue Situation einen Investitionsboom auslösen und erstmals Entwicklungschancen und neuen Wohlstand in einer Region schaffen wird, die permanent mit Fragen von Abwanderung und Pendeln konfrontiert ist.

„Wenn dieser Lift anläuft, wird das ein großer Tag für den Bezirk Reutte und ein ganz großer für das hintere Lechtal“, ist Baldauf geradezu euphorisch. Die Wirtschaft im Tal könne erstmals wachsen und sei nicht wie die letzten 30 Jahre total beschnitten. Der Hotelier nennt ein Beispiel: „Die Grundstückspreise liegen im Lechtal derzeit zwischen 35 und 50 Euro pro Quadratmeter. Das sind Verhältnisse wie in Tschechien und sagt doch alles über den Wert der Region aus. So etwas gibt es nirgendwo in Tirol.“

„Der neue Lechwanderweg brachte dem Tal ein Plus von acht Prozent. Man kann sich ausmalen, was erst im Winter passieren wird.“ Baldauf glaubt, dass der künftige Winterboom sich sogar positiv auf den Sommertourismus auswirken wird. „Investitionen sind auch dringend notwendig. Das hat etwa der Lechweg gezeigt. Auf gewissen Streckenabschnitten fehlt die Bettenkapazität komplett.“

Die befruchtende Ausstrahlung des Skigebietes werde talauswärts bis ungefähr Elbigenalp reichen. 25 Minuten nach Abfahrt vom Hotel Alpenrose könnten die Gäste in Warth schon auf den Skiern stehen. Das sei ungefähr die Grenze des Möglichen. Baldauf spürt bei Tourismusmessen schon jetzt einen Unterschied. „Mit der Erklärung, dass Lech als Skigebiet genutzt werden kann, hat sich unsere Position ganz eindeutig verbessert.“

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Sicherlich ein Novum: Das Land Tirol und der Lechtaler Tourismusverband bezuschussen das Bauprojekt in Vorarlberg. 250.000 Euro werden für die Zwölfmillionenanlage (samt Lawinensicherung) zur Verfügung gestellt.

Nachdem auch letzte Probleme mit einem Grundbesitzer ausgeräumt werden konnten, wird die Firma Doppelmayr eine mehr als zwei Kilometer lange 10er-Gondel-Einseil-Umlaufbahn errichten. Neue Pisten kommen nicht dazu, der Lift, der 1500 Personen in der Stunde befördern kann, wird zwei bestehende Skigebiete zusammenschließen. Eine gewisse Exklusivität bleibt gewahrt. Denn auch zukünftig werden ab 14.000 Skifahrern pro Tag in Lech/Zürs und 8000 pro Tag in Warth/Schröcken keine Tageskarten mehr verkauft.


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