Die Gelassenheit der New Yorker

Beobachtungen eines Tirolers, der „Sandy“ im südlichen Manhattan erlebte.

New York –TT-Kolumnist Peter Plaikner gehört zu jenen Tirolern, die den Hurrikan „Sandy“ in New York erlebten. Zu seinen Beobachtungen zählt „das Gefühl der großen Gelassenheit, das von den New Yorkern ausgeht und sich auf die Touristen überträgt“. In Österreich, meint Plaikner, wären angesichts der dramatischen Ereignisse „ganz andere Hitzköpfe unterwegs gewesen“.

Nach der Sturmnacht zerfiel Manhattan in zwei Teile, schildert Plaikner – „als ob ein Strich durch New York gehen würde“. Im südlichen Teil, in dem der Tiroler Quartier bezogen hatte, gab es keinen Strom, kein Wasser, keine Telefon- oder Internetverbindung. Doch ab Midtown „hast du dann das Gefühl, in einer anderen Stadt zu sein“. Dort gab es kaum Sturmschäden.

Zu Plaikners Verblüffung stellte sich heraus, dass das österreichische Generalkonsulat in der eleganten Upper East Side geschlossen war. Dabei „konnte eine Notsituation von Landsleuten ja wohl kaum erwartbarer sein“, meint er.

In den schwerer getroffenen Stadtteilen beobachtete Plaikner allerlei Überlebenstricks. Die Leute würden vor Bankomat-Räumen Schlange stehen, weil sich dort funktionierende Steckdosen befinden und alle ihre Handy-Akkus aufladen wollen. Trauben von Menschen fand er auch vor geschlossenen Starbucks-Filialen, weil es dort eine drahtlose Internet-Verbindung gab.

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In der Zeit ohne Strom, Wasser, Telefon und Internet sei ihm unsere „extreme Angewiesenheit auf Technik“ so richtig bewusst geworden, bilanziert Plaikner. Und er habe gemerkt, „wie verwöhnt man als Europäer ist“. Denn vielen Erdenbürgern fehlt generell, was er nur im Sturm vermisste.

Auch Sturmgewinnler gab es: Wegen des Ausfalls der öffentlichen Verkehrsmittel „machen die Taxifahrer das Geschäft ihres Lebens und haben – leider Gottes – alle kaputte Taxameter“, ätzt Plaikner. (floo)


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