„Kämpfen für die Sozialpartnerschaft“

Mit 93,4 Prozent wurde Otto Leist (56) zum ÖGB-Vorsitzenden gewählt. Günter Mayr ist neuer Chef der SP-Gewerkschafter.

Innsbruck –Die Landeskonferenzen des Tiroler Gewerkschaftsbundes folgen offenbar einem gesetzmäßigen Zyklus. Auch vor vier Jahren zogen im November 2008 dunkle Wolken auf dem Wirtschaftshimmel auf, wenige Monate später erfasste der Konjunktureinbruch auch Tirol. So waren auch gestern in den Gesprächen und Reden die trüben wirtschaftlichen Aussichten im Messesaal in Innsbruck spür- und hörbar. In erster Linie nahm der ÖGB personelle Weichenstellungen vor.

Es ist eine seit Jahrzehnten geübte Praxis, dass die Gewerkschaftsfraktionen von FSG (SPÖ) und FCG (ÖVP) ihre Landesversammlungen vorher abhalten. Während Gerhard Seier als FCG-Chef mit 97 Prozent der Stimmen bestätigt wurde, gab es bei den SP-Gewerkschaftern einen Wechsel. Otto Leist stellte sich nicht mehr der Wahl und widmet sich künftig nur noch seiner Aufgabe als Tiroler ÖGB-Chef. Neuer starker Mann in der FSG ist der 54-jährige Landesvorsitzende der „Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida“, Günter Mayr.

Mit der Wahl Mayrs – er erhielt 100 Prozent der Stimmen – nahmen die sozialdemokratischen Gewerkschafter auch eine Richtungsentscheidung vor. Mayr dürfte 2014 die FSG in die Arbeiterkammerwahl führen, 2009 mussten die Sozialdemokraten schwere Verluste bei der AK-Wahl hinnehmen und erhielten nur noch 19,9 Prozent der Stimmen.

Prominente Gäste bei der ÖGB-Landeskonferenz waren neben Österreichs ÖGB-Chef Erich Foglar auch die beiden Bundesvorsitzenden der beiden stärksten Gewerkschaftsflügel, Wolfgang Katzian (FSG) und Norbert Schnedl (FCG).

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Foglar bezog auf der Landeskonferenz zu den jüngsten Arbeitslosenzahlen Stellung: „Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt lassen uns natürlich nicht unberührt.“ Foglar forderte von der Regierung „massivste Anstrengungen“, sich dem Trend entgegenzustemmen. Wenngleich der ÖGB-Chef konstatierte, dass Österreich im EU-Schnitt sehr gute Arbeitsmarktdaten aufweise. Man könne sich von der internationalen Situation aber nicht abkoppeln. Der Gewerkschaftsbund habe die „schwierigste Phase“ seit Bestehen überwunden und ist für Folgar „wieder kampfbereit“.

Nach zwei Jahren, in denen Leist den Tiroler Gewerkschaftsbund interimistisch führte, wurde er gestern offiziell zum ÖGB-Chef gewählt. Leist erhielt als einziger Kandidat bei der Abstimmung der 213 Wahlberechtigten 93,4 Prozent der Stimmen.

„Kapital und Arbeit müssen sich wieder auf Augenhöhe treffen“, bedankte sich Leist bei den Mitgliedern. „Der ÖGB ist die treibende Kraft hinter vielen Projekten. Ich kämpfe für die Sozialpartnerschaft, die wir in diesem Land haben.“

Auch wenn international „schwarze Wolken“ am Wirtschaftshorizont auftauchen, müsse man versuchen, das „erträgliche Maß an Arbeitslosigkeit in Tirol zu halten“. Leist kritisierte bei der Landesversammlung noch einmal die Innsbrucker Shopping-Night.

Neben Bischof Manfred Scheuer waren unter anderem auch AK-Präsident Erwin Zangerl, LA Andreas Köll und Soziallandesrat Gerhard Reheis gekommen. Zangerl sprach davon, dass ÖGB und Arbeiterkammer „eins“ seien und sich gemeinsam für die Arbeitnehmer einsetzen.

Am gestrigen Weltmännertag sprach Reheis davon, dass es „unerträglich“ sei, dass Frauen für gleiche Leistung deutlich weniger Lohn bekämen.

Letztlich lag ein Schatten über der Landeskonferenz. Denn am Montag ist der ehemalige Tiroler ÖGB-Vorsitzende und langjährige SPÖ-Landtagsabgeordnete Walter Lenzi gestorben. (pn, mw)


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