Alles im grünen Bereich

Das Kult-Musical „Der kleine Horrorladen“ hat im Großen Haus Premiere gefeiert. Star der fantastisch ausgestatteten Aufführung ist Fleischpflanzerl Audrey II.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Glaubt man der Legende, dann liegt zwischen der Idee und der Fertigstellung von „The Little Shop Of Horrors“ gerade einmal eine­ Woche – das wiederum ist mehr als 40 Jahre her und bloß der erste Grundstein für jenes Kult-Musical, das am Samstagabend am Tiroler Landestheater Premiere feierte. Roger Cormans Schnellschuss-Produktion war ursprünglich nämlich nicht als Musical, sondern als Horror-Komödie angelegt, erst Alan Menken und Howard Ashman brachten anno 1982 das blutrünstige Fleischpflanzerl Audrey II samt der schrägen Entourage aus der Skid Row zum Singen: „Der kleine Horror­laden“ ward geboren und feierte 1986 in der Übersetzung von Michael Kunze seine deutschsprachige Erstaufführung im Theater „Szene Wien“. Im selben Jahr verfrachtete Franz Oz die schräge­ Story dann wieder ins Kino und drückte dem verrückten­ Treiben ein Happy End aufs Auge – die naive Audrey, Namens­geberin für die menschenverschlingende Pflanze, wird da nicht verspeist, sondern geheiratet. Eine Einverleibung anderer Art.

Regisseur Anatol Preissler, der den „Kleinen Horrorladen“ vor der Innsbruck-Inszenierung bereits in Aachen und Hamburg auf die Bühne gebracht hat, hält sich am Großen Haus lieber ans Original. Statt einer Hochzeit gibt‘s also einen weiteren Todesfall – der aber durchaus lustig ist. Wie der Rest der spritzigen und blutspritzenden Inszenierung, die sich wohl zum Kassenschlager entwickeln dürfte – umsonst nimmt man ja kein Musical in den Spielplan auf. Wer sich also zwei Stunden lang gut unterhalten will und kein Problem damit hat, den einen oder anderen Ohrwurm mit nach Hause zu tragen, der ist beim „Kleinen Horrorladen“ bestens aufgehoben. Unter der musikalischen Leitung von Hansjörg Maringer, der selbst auch an den Drums sitzt, betten Stephan Costa (Piano), Robert Sölkner (Keyboards), Stefan Neuner (Gitarre) und Andy Veit (Bass) das Geschehen in einen mitreißenden Soundtrack, der einen munter mitwippen lässt.

Dennis M. Rudisch ist ein putzig-tollpatschiger Seymour, Dagmar Bernhardt weiß als hübsches Dummerl Audrey zu überzeugen, Dale Albright fühlt sich in der Rolle­ des gewinnorientierten und sturmfrisierten Mr. Mushnik wohl und Randy Diamond läuft als brutal-sadistischer Zahnarzt Orin Scrivello, der sich mit Elvis-Tolle zu Tode­ lachgast, zur Höchstform auf. Gegen die dauerhungrige Pflanze Audrey II, die von Uli Wewelsiep gesungen und von Veronika Steger bewegt wird, verblassen sie jedoch alle. Die menschenfressende „Zwoi“, die Mushnik und Scrivello mit Butz und Stingel verschlingt, ist der Star des Abends – und wirkt derart echt, dass man auch ihr einen Blumenstrauß überreichen wollte. Wobei ihr eine Blutkonserve lieber wäre.

Einen Sonderapplaus verdient haben sich Friedrich Despalmes für die fantastisch wandelbare Bühne und Michael D. Zimmermann für die hollywoodreifen Kostüme, die vor allem den drei Soulgirls (Ruth Müller, Monika Staszak und Kristina Cosumano) spitzenmäßig stehen. Selten sahen Gartenzwerge so ladylike aus.

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