„Sind kein Geheimdienst“

Der Tiroler Lawinenwarndienst setzt im bevorstehenden Winter auf verstärkte Information. Damit soll das Bewusstsein für die alpinen Gefahren geschärft werden.

Von Christoph Mair

Innsbruck –Wer glaubt, der Chef des Tiroler Lawinenwarndienstes wünsche sich berufsbedingt einen schneearmen Winter, der irrt gewaltig. „Ich wünsche mir schon einen anständigen Winter mit genug Schnee, aber auch gute Prognosen unsererseits, an die sich die Leute halten, damit wenig passiert“, sagt Rudi Mair, der in seine mittlerweile 23. Saison als oberster Lawinenwarner des Landes geht. Zusammen mit Patrick Nairz und Techniker Paul Kößler bildet er das Kernteam des Lawinenwarndienstes Tirol, das für den bevorstehenden Winter eine neue Informationsoffensive über den täglichen Lawinenlagebericht hinaus verspricht.

„In spätestens einem Monat wird es einen komplett überarbeiteten Internetauftritt geben“, betont Mair. Das Herzstück soll ein Internettagebuch sein, das die Lawinenwarner mit Fotos und Texten zu Wetterdaten, Niederschlägen, Schneedeckenaufbau, Lawinenunfällen etc. füllen. Mair erhofft sich davon auch einen Sicherheitsgewinn. „Die Leute können so besser verstehen, warum die Situation so ist, wie sie ist.“ Dass die Informationen des Lawinenwarndienstes künftig auch auf Facebook und Twitter sowie über neue Apps (SnowSafe) mobil abrufbar sind, gehört für Mair dazu. „Außer Buschtrommeln und Rauchzeichen beherrschen wir alle modernen Kommunikationsformen. Wir sind ja schließlich kein Geheimdienst“, erinnert er daran, dass die Arbeit seines Teams ja gerade dann erfolgreich sei, wenn sie die Menschen erreiche und diese sich danach richten. Das habe sich gerade im abgelaufenen, schneereichen Winter gezeigt.

„Es gibt in jedem Winter vier bis fünf kurze Zeitspannen, die extrem kritisch sind“, weiß Rudi Mair aus Erfahrung. Es sei gelungen, via Medien effiziente Warnungen zu platzieren, die auch ernst genommen wurden. Nur so konnte es gelingen, dass die Zahl der Lawinentoten mit zehn unter dem langjährigen Schnitt von 13 Toten blieb. Und das, wo das Tourengehen und Freeriden boomen. „Da sind wir glimpflich davongekommen“, bestätigt Mair. Dass der Lawinenwarndienst bei seiner Arbeit manchmal Druck ausgesetzt sei, verhehlt er nicht. „Einen gewissen Druck hat man. Der einzige Umgang damit kann Sachlichkeit sein, sonst verliert man die Glaubwürdigkeit.“

Für die unerlässlichen Informationen für die Prognosen sorgt übrigens ein Netz von über 100 hochalpinen Wetterstationen, das die Daten mittlerweile fast zur Gänze kabellos übermittelt. Techniker Paul Kössler sei alle Messstationen abgegangen und habe sie auf ihre Funktionstauglichkeit überprüft. „Die Vorbereitungen sind abgeschlossen“, sagt Mair.

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Den konkreten Arbeitsbeginn des Lawinenwarndienstes mit täglichen Lageberichten gebe die Natur, sprich der Schnee vor. „Das war einmal Mitte November, einmal erst der 20. Dezember“, erinnert sich Mair an die Extreme bei den Launen des Winters. Dann bricht in der kalten Jahreszeit die heiße Phase an, wenn das Team für fünf bis sechs Monate keinen freien Tag mehr hat.


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