Gefundene Gletscherleiche: US-Autor zweifelt Unfall an

Bei einem 1989 am Stubaier Gletscher verschwundenen Kanadier könnte es sich um fahrlässige Tötung gehandelt haben, mutmaßt ein amerikanischer Journalist.

Neustift im Stubaital/Ottawa - Im Fall einer 2003 am Stubaier Gletscher gefundenen Leiche eines seit 1989 vermissten Kanadiers hat ein US-Autor jetzt Zweifel an der von den Behörden erwogenen Unfalltheorie angemeldet. Statt eines Snowboardunfalls könnte es sich um fahrlässige Tötung gehandelt haben, erklärte der amerikanische Journalist und Buchautor John Leake dem „Standard“ (Samstag-Ausgabe).

Der seit 1989 vermisste Kanadier Duncan McPherson war im Juli 2003 aus einer Gletscherspalte am Stubaier Gletscher geborgen worden. Das eisige Grab des Urlaubers war vom Fahrer eines Pistengerätes im Gemeindegebiet von Neustift in einer Höhe von etwa 3000 Metern 120 Meter östlich des Schleppliftes Eisjoch entdeckt worden. Die Leiche war teilweise in Gletschereis eingehüllt. Die Behörden gingen damals von einem Unfall aus.

Eltern zweifeln Unfalltheorie an

Leake, der den Fall in einem im Jänner erscheinenden Buch mit dem Titel „Eiskalter Tod“ aufgearbeitet hat, misstraut dieser Theorie aber. Laut dem „Standard“ hatte der Autor neben vor Ort durchgeführten Recherchen auch die Aufzeichnungen der Eltern des Kanadiers zur Verfügung, die sich nie mit der Erklärung eines Snowboardunfalls zufriedengeben wollten. Sie waren damals nach Tirol gereist und hatten auf eigene Faust ermittelt.

In seinem Buch bietet der Autor eine andere Erklärung: „Duncans linkes Bein und beide Unterarme sind in die Fräse einer Pistenraupe gekommen. Die Maschine hackte seine Glieder in Stücke, und er verblutete. Sein Körper, die abgetrennten Gliedmaße und seine Ausrüstung wurden dann in einer Gletscherspalte verborgen.“ Laut Leake könnte daher fahrlässige Tötung vorliegen, die verschleiert worden sei.

Auftrag zur Identifizierung und nicht zur Obduktion

Der Innsbrucker Gerichtsmediziner Walter Rabl erklärte im Zeitungsbericht, dass damals im Fall McPherson lediglich ein Auftrag zur Identifizierung und nicht zur Obduktion ergangen sei. Dafür hätte es eine Anweisung der Staatsanwaltschaft gebraucht.

In diesem Fall habe aber „die Befundlage“ zur Information gepasst, so Rabl gegenüber dem „Standard“: „Es war eine Gletscherleiche, entsprechend postmortal verändert. Auch der Körper war nur mehr in Teilen vorliegend, alles typisch für eine Gletscherleiche mit dieser Liegezeit“. (APA)


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