„Mehr Taxis in der Nacht rechnen sich einfach nicht“

Innungssprecher Bundschuh erklärt, warum es bei langen Wartezeiten bleiben wird und wie sich Mädchen im Kampf ums Taxi durchsetzen.

Von Catharina Oblasser

Lienz –Die Disco „Mausefalle“ in Nußdorf-Debant, Samstag um zwei Uhr früh: Eine Menschentraube drängt sich beim Eingang, als ein Taxi vorfährt. „Das Auto ist kaum zum Stehen gekommen, schon sitzen neue Leute drinnen, die auch nicht mehr aussteigen“, beschreibt Taxi-Innungssprecher Franz Bundschuh eine typische Situation am Wochenende. Wer das Taxi eigentlich bestellt hat, ist unerheblich, es herrscht das Gesetz des Stärkeren. Mädchen und junge Frauen haben dabei meist das Nachsehen.

Es ist kein Geheimnis, dass zu bestimmten Zeiten massiver Taximangel rund um Lienz besteht. „Es gibt rund 40 Fahrzeuge, aber zum größten Teil gehören sie Einzelunternehmern, die tagsüber unterwegs sind“, schildert Bundschuh. Zusätzlich in der Nacht zu fahren, geht sich da nicht mehr aus.

Bundschuh ist selbst Transportunternehmer und betreibt eine der zwei großen Taxifirmen in Lienz. Meist läuft das Geschäft ruhig und gemächlich. Freitag und Samstag ab Mitternacht sind die Ausnahmen. „Wir haben zehn Fahrzeuge. Um die Spitzen am Wochenende abzudecken, bräuchte ich aber doppelt so viele“, schildert der Innungssprecher. „Andererseits kann ich nicht neue Autos anschaffen, die dann nur zweimal die Woche fahren.“

Das zweite große Hindernis für eine ausreichende Mobilitätsversorgung der Nachtschwärmer ist die Personalnot. „Wer will schon gerne am Wochenende arbeiten? Manchmal sind nur acht meiner Taxis im Einsatz, weil einfach die Fahrer fehlen.“ Abgesehen von der ungeliebten Arbeitszeit ist das spezielle Klientel, das nachts unterwegs ist, eine Sache für sich, meint Bundschuh. „So mancher Fahrgast hat über den Durst getrunken. Oft muss man als Chauffeur ein richtiger Psychologe sein. Das ist nicht jedermanns Sache.“ Der Firmenchef räumt aber ein, dass bei einem Grundpreis von 4,50 Euro pro Fahrt für die Taxler auch keine Reichtümer zu verdienen seien.

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Kaum Probleme habe man mit Kriminalität. „Gefährlich ist es als Taxifahrer eher nicht. Manchmal will jemand nicht zahlen, das ist alles.“

Von einem Nachtbus, wie die Lienzer SPÖ ihn vorgeschlagen hat, hält Bundschuh allerdings auch nicht viel. „So etwas hat früher funktioniert, als die Leute noch um Mitternacht heimgefahren sind. Heute hat sich das sehr nach hinten verschoben, vor vier Uhr Früh geht keiner nach Hause. Und für diese Fahrzeiten Buschauffeure zu finden, ist kaum möglich.“

Einen Tipp hat der Unternehmer für alle, die sich im Kampf um ein bestelltes Taxi nicht dem Gesetz des Stärkeren beugen wollen: „Einen anderen Treffpunkt mit dem Fahrer ausmachen, als direkt vor dem Lokaleingang. Bei der ‚Mausefalle‘ kann das etwa das Autohaus daneben sein oder die Bushaltestelle gegenüber. Dann holt einen das Taxi direkt von dort ab.“


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