Stadt Wörgl ist noch lange nicht frei von Barrieren

Gymnasiasten durchquerten mit Rollstuhl, Kinderwagen und Gehbock die Wörgler Innenstadt und entdeckten viele Stolpersteine.

Von Veronika Spielbichler

Wörgl –Wie barrierefrei ist die Wörgler Innenstadt? Und wie erleben sie bewegungseingeschränkte Menschen? Den Test vor Ort traten elf Schülerinnen und Schüler des Bundesrealgymnasiums in Wörgl an. Ihr Resümee, das etliche Schwachstellen aufzeigt, diskutieren sie kommende Woche mit Stadtverantwortlichen.

Die Idee zum engagierten Projekt im Rahmen der Aktion „72 Stunden ohne Kompromiss“ der katholischen Jugend hatte Wörgls Pastoralassistent Christian Ehrensberger, dem die barrierefreie Stadt ebenso wie der Religionslehrerin Lisa Brandner schon längere Zeit ein Anliegen ist. Sie begleiteten die elf Schülerinnen und Schüler des Religionsunterrichtes der 5b-und 5c-Klassen des Bundesrealgymnasiums Wörgl, die sich mit Rollstuhl, Kinderwagen und Gehbock auf den Weg machten und die aufgesuchten öffentlichen Orte mit den Noten Eins bis Fünf beurteilten.

Wie fühlt man sich im Rollstuhl? „Der Perspektivenwechsel war für alle eine beeindruckende Erfahrung“, erklärt Lisa Brandner und die Schüler pflichten bei: „Es war schwer, sich zurechtzufinden.“ Hindernisse wie Gehsteigkanten, Kopfsteinpflaster und viele Stufen finden sich in der Auflistung ebenso wie ungeeignete Rampen, etwa vor dem Stadtamt zum Parkplatz – sie sind zu kurz und zu steil und dadurch gefährlich.

Die Musikschule erhielt ebenso einen „Daumen nach unten“ wie die Stufen beim Pfarrhof und jene bei der Polizei in der Salzburgerstraße. Die Jugendlichen befragten auch Seniorenheimbewohner und Mütter, wo sie sich Verbesserungen für mehr Barrierefreiheit wünschen würden.

Die Rollstuhl-Testfahrt am Friedhof zeigte, dass die Hauptwege noch relativ gut befahrbar sind, dort wo in Seitenwegen viel Kies liegt, braucht es allerdings sportliche Höchstleistungen, um vorwärtszukommen.

Im Bewertungsbogen verteilten die Schülerinnen und Schüler aber auch viele „Sehr gut“: Das Bundesschulzentrum, der Kindergarten Mitterhoferweg, die Einkaufszentren M4 und City Center finden sich darunter ebenso wie der neue Friedhof, Banken und Geschäfte wie die Bäckerei Mitterer.

Das engagierte Projekt-Team von „Barrierefreies Wörgl“ freut sich auf den vereinbarten Gesprächstermin mit Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner, Sozialreferentin Vize-BM Evelin Treichl und dem Stadtbaumeister Hermann Etzelstorfer. Die Schülerinnen und Schüler werden anhand ihres Erfahrungsberichtes mit den Stadtverantwortlichen abklären, was man konkret ändern kann, um die Barrierefreiheit in der Stadt zu verbessern.


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