Israel bombardiert weiter Ziele im Gazastreifen, Hamas feuert zurück
Bemühungen um eine Waffenruhe in Nahost hatten bisher keinen Erfolg. Israel bombardiert weiter im Gazastreifen, Palästinenser schießen Raketen auf Israels Städte. Auch Tel Aviv wurde wieder beschossen.
Gaza/Tel Aviv – Im Konflikt zwischen Israel und der radikal-islamischen Palästinenser-Organisation Hamas haben sich die Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe zunächst zerschlagen. In der Nacht auf Sonntag bombardierte Israel aus der Luft und auch vom Mittelmeer aus Ziele im Gazastreifen, darunter auch zwei Medienzentren in Gaza. Gleichzeitig ging die Suche nach einem diplomatischen Ausweg weiter. Insgesamt starben seit Beginn der israelischen Operation „Säule der Verteidigung“ am Mittwoch knapp 50 Palästinenser und drei Israelis.
Die nächtlichen Angriffe auf die Mediengebäude galten in erster Linie den Fernsehsendern Al-Quds TV und Al-Aksa TV, die der Hamas-Regierung im Gazastreifen nahestehen. Mindestens sechs Journalisten wurden nach palästinensischen Angaben verletzt.
Vier Kinder getötet
Auch vier palästinensische Kinder sollen bei den jüngsten Angriffen umgekommen sein. Nach Angaben von Rettungskräften wurde ein 18 Monate altes Kleinkind getötet. Zwei Brüder des Kindes - vier und fünf Jahre alt - seien zudem schwer verletzt worden, sagte ein Sprecher der Rettungsdienste, die der Hamas-Regierung unterstehen, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach beschoss die israelische Luftwaffe ein Ziel östlich des Lagers Bureij im Zentrum des Gazastreifens. Nach palästinensischen Angaben wurden bereits zuvor im Norden des Palästinenser-Gebiets zwei Kinder getötet.
Der israelische Beschuss dauerte auch am Sonntag an. Nach Angaben der israelischen Armee wurden in der Nacht keine Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert. In der Früh setzte der Beschuss von dorther demnach jedoch wieder ein. Laut einer Armeesprecherin schlugen im Süden Israels zwei Raketen ein. In der Küstenstadt Ashkelon wurde ein Wohnhaus direkt getroffen. Ein Polizeisprecher bestätigte, das Geschoß habe mehrere Wohnungen durchschlagen. Zwei Menschen seien leicht verletzt worden.
Hamas feuerte Raketen auf Tel Aviv
Am Sonntag heulten die Sirenen auch wieder in Tel Aviv. Kur danach war im Stadtzentrum eine Explosion zu hören. Die Polizei teilte wenig später mit, zwei Raketen seien vom Abwehrsystem Iron Dome abgefangen worden. Militante Hamas-Angehörige bekannten sich dazu, die zwei vom Iran entwickelten Raketen vom Typ Fajr-5 abgefeuert zu haben.
Seit Mittwoch feuerten radikale Palästinenser israelischen Angaben zufolge mehr als 600 Raketen auf israelisches Gebiet ab, von denen über 240 abgefangen worden seien. Ihrerseits beschoss die israelische Luftwaffe demnach über 950 Ziele im Gazastreifen.
Am Samstag hatte die israelische Luftwaffe mehrere Raketensilos sowie Regierungsgebäude der Hamas zerstört, darunter auch den Amtssitz von Regierungschef Ismail Haniyeh. Die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen antworteten wiederum mit neuem Raketenbeschuss. Der israelischen Armee gelang es schon gestern, mit einer gerade erst installierten Luftabwehrbatterie eine Rakete iranischer Bauart beim Anflug auf Tel Aviv abzufangen. Gleichzeitig intensivierte sie ihre Vorbereitungen für eine Bodenoffensive im Gazastreifen.
Diplomatische Drähte glühen
Angesichts einer drohenden Neuauflage des Gazakriegs der Jahre 2008 und 2009 vervielfachten alle Staaten mit Einfluss im Nahen Osten ihre Bemühungen, den Konflikt zu entschärfen. US-Präsident Barack Obama und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierten mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und mit dem ägyptischen Staatschef Mohammed Mursi. Der französische Außenminister Laurent Fabius trat am Sonntag eine Reise nach Israel und ins Westjordanland an, um dort mit Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas zu sprechen. Er ist im Gegensatz zu der als Terrororganisation eingestuften Hamas ein Ansprechpartner des Westens bei den Palästinensern.
Nach Angaben aus der US-Regierung befürwortete Netanyahu eine Deeskalation des Konflikts - unter der Bedingung, dass die Hamas ihren Raketenbeschuss einstellt. Die Hamas fordert im Gegenzug von Israel, seine jahrelange Blockade des Gazastreifens aufzuheben.
Laut einem ranghohen Palästinenser-Vertreter könnte eine Unterbrechung der Gewaltspirale kurz bevorstehen. „Es gibt ernsthafte Gespräche über eine Waffenruhe, und es ist möglich, dass es heute oder morgen eine Einigung gibt“, sagte der Repräsentant am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.
Am Vorabend hatte schon Mursi Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe geweckt. Er stehe mit den Konfliktparteien in engem Kontakt, sagte er in Kairo. Der im Exil lebende Hamas-Chef Khaled Mashaal (Meshaal), der sich ebenfalls in Kairo aufhielt, bezweifelte jedoch, dass Israel eine Waffenruhe einhalten werde.
Solidaritätsbesuch der Arabischen Liga
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi (Elaraby), kündigte für spätestens Montag einen Solidaritätsbesuch im Gazastreifen an. Bei einer Dringlichkeitssitzung in Kairo beschlossen die Außenminister der Liga zudem die Einsetzung einer Kommission, die den Sinn der bisherigen arabischen Initiativen im Friedensprozess mit Israel überprüfen soll.
(APA/dpa/Reuters/AFP)
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