Schaulauf für den Klimaschutz: Katars erste Klima-Demo
Jugendliche demonstrieren auf den Straßen Katars für mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. Der Emir lässt sie gewähren.
Von Denise Donnebaum
Doha – Es ist sieben Uhr morgens. Eben erst ist die Sonne über dem kleinen, reichen Golf-Emirat Katar aufgegangen. Eine ungewöhnliche Zeit für eine Demonstration. Und ein ebenso ungewöhnlicher Ort. In den Straßen Dohas versammeln sich erstmals in der Geschichte der einflussreichen Golfmonarchie junge Araber, die ihre Politiker zu mehr Anstrengung im Klimaschutz drängen. Am Rande der UN-Klimakonferenz verlangen sie von ihren Regierungen, die klimaschädlichen CO2-Emissionen verbindlich zu senken.
„Yallah, yallah, wir wollen Klimagerechtigkeit!“, ruft einer der Organisatoren in sein Megafon. Er spricht Englisch, als säßen die Empfänger seiner Botschaft eher im Westen als in Doha, Riad oder Manama. „Arabische Führer, vereint euch für die Umwelt!“, antworten die Jugendlichen im Sprechchor. Viele der Jugendlichen sind aus arabischen Ländern angereist. Bis zu 500 sollen es nach offiziellen Angaben sein. „Hört auf das Volk! Wir wollen Wandel!“, rufen die Demonstranten mit einer Stimme.
Eine von ihnen ist die 18-Jährige Merna aus Ägypten. „Es ist mehr eine Parade als eine Demo“, erklärt die Schülerin. Sonst demonstriert Merna auf dem Kairoer Tahrir-Platz. „In Ägypten ist es politischer, manchmal auch beängstigender.“ Sie habe aber in ihrer Heimat gelernt, dass auch junge Menschen ihre Wünsche durchsetzen können, wenn sie sich zusammentun. „Der Arabische Frühling hat uns klar gemacht, dass wir eine Stimme haben.“ Sie hofft, dass die Politik auch diesmal dem Ruf der Straße folgt. Es sei ihnen ernst mit dem Klimaschutz.
„Die Jugend wird den Wandel bringen“, ist sich die 18-Jährige Alawadhi aus Katar sicher. „Immerhin hat sie in den arabischen Ländern bereits Wandel gebracht.“ Für Alawadhi, die in ein schwarzes Kopftuch und einen langen schwarzen Mantel gehüllt ist, ist es die erste Demonstration.
Sie sei nach Doha gereist, um das Schweigen arabischer Regierungen beim Klimaschutz zu brechen, sagt die 24-Jährige Reem Al Mealla aus Bahrain hinter ihrer großen Sonnenbrille. „Für Schuldzuweisungen sind wir aber nicht hergekommen, sondern um zu ermutigen“, fügt sie hinzu. „Das ist die Geburtsstunde der arabischen Klimaschutzbewegung.“
Ihre Forderungen richten sich vor allem an Katar. „Katar ist politisch und wirtschaftlich sehr einflussreich in der Region“, sagt Organisator Ali Latifa Fakhry aus dem Libanon. Wenn das Emirat beim Klimaschutz voranschreitet, gegen den Willen der meisten Golfstaaten, „dann ist das genug für einen Dominoeffekt in der Region“, sagt er.
Katar hat den Schaulauf für den Klimaschutz unterstützt. Selbst in den Moscheen des Landes sei am Freitag Klimaschutz gepredigt worden, sagte Khaled al Mohannadi, Mitbegründer der Organisation Doha Oasis, die den Marsch mitveranstaltete. Die Zusammenarbeit mit der Regierung sei problemlos gewesen, betont er. „Ich habe einen Anruf vom Innenminister bekommen. Wir haben uns für 15 Minuten getroffen, eine Karte gezeichnet und voilà.“
Im Lichte der internationalen Öffentlichkeit hat Katar die Klimaschützer gewähren lassen. Bis zu einem gewissen Grad. Bei früheren Klimagipfeln ist es auf den Straßen schon heißer hergegangen. (Denise Donnebaum ist Korrespondentin der Deutschen Presse Agentur.)
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