Torten, so süß wie die wahre Liebe

Neben der Braut ist es nur eine, die bei einer Hochzeit ihren großen Auftritt haben darf: die Hochzeitstorte. Süß soll sie sein, einzigartig, mehrstöckig und gespickt mit kleinen Liebesbotschaften.

Von Nicole Unger

Innsbruck –Und wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Stück Torte her. Selbst wenn den Hochzeitsgästen nach einem üppigen Mahl der Hosenbund zwickt – ein klitzekleines Stück der Hochzeitstorte geht noch. Das hat Tradition.

Geschätzte 50.000 Kalorien muss dieses mit Perlen und echten Blumen verzierte fünfstöckige Backwerk haben, das Nicole Kuen in mehrstündiger Arbeit geschaffen hat. Die Bäcker-Gesellin von der Innsbrucker Konditorei Peintner präsentierte kürzlich auf der Hochzeitsmesse in Innsbruck genau wie ihre Kollegen von den Konditoreien Murauer, Zimt & Zucker, Maurer, Walter und Mayr Absam die schönsten Tortenkreationen für den schönsten Tag im Leben.

Quadratisch, praktisch, kitschig, schlicht mit Obst oder die opulente Über-drüber-Torte. Möglich ist im Grunde (fast) alles, sagen die Tiroler Zuckerbäcker. So wünschen sich viele Paare z. B. individuelle Torten, die auf ihre Hobbys zugeschnitten sind. Ritterburgen für Mittelalterfans, ein Schlagzeug für Hobby-Musiker. Alles schon dagewesen, berichtet Kuen.

Der Trend geht aber ganz klar in Richtung mehrstöckiger, englischer Torte, wissen Bettina Wieser und Corinna Kolb von der Konditorei Murauer. Die Hochzeitstorte in dieser Form entstand im 19. Jahrhundert vermutlich in England. Die Gäste kamen damals mit selbst gebackenen Kuchen zur Zeremonie und stapelten diese aufeinander. Schaffte es das Paar, sich über diesen Kuchenturm hinweg zu küssen, so war eine glückliche Ehe sicher.

Solche Stapelexperimente sind heute nicht mehr notwendig, für mehrstöckige, mit Zuckerguss überzogene Backkunstwerke gibt es spezielle Tortenständer. Etwa einen Monat vor der Hochzeit sei es ratsam, die Kuchenbestellung aufzunehmen, rät Wieser. Sacher- oder Nusstorten sind nach wie vor beliebte Klassiker für das „Innere“. Eine Käse-Sahne-Creme wäre hingegen zu weich. Der Kuchen braucht eine gewisse Standhaftigkeit, um – genau wie die Gäste – mehrere Stunden durchzuhalten. Außen herum kommt dann meist eine rein weiße Dekormasse. Und die Dekoration, ja, die lässt keine Wünsche offen. Kleine Figürchen, Zylinder, Schleier, essbare Perlen, rosa Blüten aus Gelantinezucker, versteckte Liebesbotschaften, Fotos – alles kann in liebevoller Feinst­arbeit kreiert werden. Liebe geht eben durch den Magen.

Etwa 4,50 bis 6,50 Euro rechnet man bei uns pro Kuchenstück, spricht Kuen die Kosten einer Torte an. Das heißt, die weiße fünfstöckige Torte von Peintner (siehe rechts) ist für 86 Personen gedacht und würde etwa 450 Euro kosten.

Bleibt etwas vom Hochzeitsbackwerk übrig, so kann das gute Stück auch eingefroren werden. Die erste Schicht der Torte wird bei vielen Brautpaaren traditionsgemäß am ersten Hochzeitstag oder bei der Taufe wieder aufgetischt.

Apropos Tradition: Es gibt durchaus Bräute, die mit dieser brechen und auf klassische Hochzeitstorten verzichten. Stattdessen kommen Cupcakes, Muffins und Petit Fours zum Einsatz. Die Mini-Törtchen eignen sich allerdings auch als Ergänzung zum Hochzeitskuchen oder als Gastgeschenk, so Wieser. Genauso wie kleine Pralinentaschen oder Lollipop-Cakes, also kleine, mit Schokolade überzogene Kuchen am Stil.

Stil hat auch das traditionelle Kuchen-Anschneiden um Mitternacht, also die erste gemeinsame Aufgabe von Braut und Bräutigam. Man sagt, die Person, die beim Anschneiden die Hand am Messer oben hat, wird auch in der Ehe Oberhand haben. Aber das ist eine andere Geschichte ...


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