Wenn erst Kontrollen Stau auslösen

Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz zeigt die Grenzen der Überprüfbarkeit von Winterbereifung auf.

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Immer wieder wird von politischer Seite die Forderung erhoben, Verkehrsteilnehmer flächendeckend auf passende Winterbereifung zu checken. Hängengebliebene Lkw lösen oft stundenlange Staus auf der B 179, der Fernpassstrecke, zwischen Nassereith und Vils aus.

„Vergangenen Freitag kam es wie so oft zu Verzögerungen, weil wieder ein Lkw ohne Ketten hängen geblieben ist“, ärgert sich die Außerferner Bezirkssprecherin Barbara Brejl­a und verlangt gleichzeitig eine stärkere Überwachung der Kettenpflicht für Lkw. „Seit Jahren fordern wir Grüne verstärkte Kontrollen, und zwar bereits auf Höhe Rastland Nassereith und in der Gegenrichtung in Musau, sodass es gar nicht zu Zwischenfällen mit schlecht ausgerüsteten Fahrzeugen kommen kann“, sieht die Reuttener Gemeinderätin eine schlichte Lösung für das immer wiederkehrende Problem. Ein grüner Wunsch – ausbaufähig wären Überkopfanzeiger auf der Fernpassstrecke, um besonders die Lkw-Fahrer auf die Gefahrensituation mehrmals hinzuweisen. Trotzdem nütze alle Information nichts, wenn nicht an Tagen mit besonderem Schneefall die Exekutive lückenlos kontrolliere.

Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz kann dem nicht so einfach beipflichten: „Wir kontrollieren immer wieder sporadisch. Aber eine lückenlose Kontrolle würde bei diesem hohen Verkehrsaufkommen – wir müssten ja alles ausleiten und begutachten – erst einen Riesenstau in beide Richtungen auslösen.“ Lorenz weiß auch, dass die Bereifung nur ein Teil des Problems ist: „Lkw müssen nur auf der Antriebsachse Winterreifen aufgezogen haben. Oftmals spielt die Beladung eine viel größere Rolle. Das Gewicht nicht richtig verteilt, und schon hängt das Schwerfahrzeug in der Steigung.“ Für Lorenz ist die Zahl der „Sünder“ meist unbedeutend. Es reicht oft ein einziger Hängengebliebener, um die ganze Strecke lahmzulegen. Und gerade die immer wieder ins Spiel gebrachte Kettenpflicht für Lkw ist für den Polizisten kein Allheilmittel: „Durch das Salzen entsteht oft ein ‚Mulf‘, in dem Ketten weniger Bodenhaftung haben als Winterreifen.“ Deshalb könne eine Kettenpflicht für Lkw nicht wie in einem Gießkannenprinzip verordnet werden, sondern müsse sich am aktuellen Untergrund orientieren.

Bei einer Besprechung zwischen Land, Bezirkshauptmannschaft und Polizei wurde nun eine raschere Ausrufung von Komplettsperren vereinbart. „Es ist immer das Gleiche. Sobald der Verkehr einmal steht, kommen auch die Räumfahrzeuge nicht mehr durch. Künftig werden neu­ralgische Straßenabschnitt­e an der B 179 viel schneller total gesperrt werden, um die Räumung zu ermöglichen“, sagt Oberstleutnant Egon Lorenz. Auch eine nun genehmigte Kontrollstelle auf Imster Seite des Fernpasses, Höhe Rastland, soll künftig bessere Kontrollen ermöglichen.


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