Kloster zahlte Opfern 700.000 Euro

Das Stift Kremsmünster (OÖ) zieht Bilanz über die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Die Angaben zur Opferzahl schwanken.

Kremsmünster –Das Stift Kremsmünster in Oberösterreich hat seit Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Ordensangehörige 2010 mehr als 700.000 Euro, davon 200.000 Euro an Therapiekosten, an Opfer gezahlt. Wenn möglich, will man Rückforderungen an den Hauptbeschuldigten Ex-Pater, dem eine Anklage droht, stellen. Diese Bilanz zogen Abt Ambros Ebhart und der Pressesprecher des Stiftes, Pater Bernhard Eckerstorfer, am Montag in Kremsmünster.

Zur Zahl der Opfer gibt es mehrere Angaben: 38 Personen haben sich bei der kirchlichen Kommission unter Vorsitz der früheren steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic gemeldet. Fünf weitere Namen sollen bei der Staatsanwaltschaft aktenkundig sein, aber nicht bei der Kommission. 45 hatten sich gleich nach Bekanntwerden der Vorwürfe an die Diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt gewandt.

Fix ist hingegen, dass der Großteil der Fälle aus den 1970er- bis 1990er-Jahren stammt und einem mittlerweile ausgetretenen Ordensmann angelastet wird, gegen den ein Strafverfahren läuft.

Darüber hinaus wurden noch zwei weitere Patres beschuldigt. Die Justiz hat diese Verfahren bereits eingestellt. Kirchenintern läuft gegen einen Ordensmann aber noch ein Verfahren, gegen den anderen Betroffenen hat Rom interne Auflagen verfügt. Drei weitere beschuldigte Patres sind bereits verstorben.

„Er (der Hauptbeschuldigte, Anm.) hat uns das verheimlicht“, beteuerte Abt Ebhart gestern. Dass der pädophile und wegen Mordes verurteilte, mittlerweile verstorbene Kinder- und Jugendpsychiater Franz Wurst in den 1970er-Jahren in Kremsmünster gearbeitet hat, bestätigte der Abt.

Damals habe der Kärntner aber einen guten Ruf genossen, seine „Schandtaten“ seien erst später bekannt geworden, sagte Eckerstorfer. Es habe aber kein Opfer angegeben, von Wurst missbraucht worden zu sein. (APA, TT)


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