Der Garten als Nahversorger

Auch einen kleinen Garten kann man in ein Obst- und Gemüseparadies verwandeln, wenn man ihn mit vielen unterschiedlichen Nutzpflanzen bestückt. Doch eine der wichtigsten Fragen gilt es gleich zu klären: Auf welchen Plätzchen im Garten gedeihen welche Pflanzen besonders gut?

© privat

Von Andrea Heistinger

Wer sich einmal daran gewöhnt hat, Gemüse und Obst frisch aus dem Garten zu holen, weiß, dass einer der größten Vorteile nicht mit Geld aufzuwiegen ist: Erntefrisches Gemüse schmeckt unvergleichlich gut.

Blattgemüse, Zuckererbsen oder die frischen Triebe von Oca sind knackig, Basilikum und Rukola noch nicht angewelkt und braun. Erdbeeren, Himbeeren oder vollreife Tomaten schmecken einfach am besten, wenn sie warm und unzergatscht direkt von der Pflanze vernascht werden können.

Der eigene Garten ist dann ein guter Nahversorger, wenn er von vornherein als Nutzgarten konzipiert ist; besonders, wenn man schon bei der Planung und beim Neubau eines Hauses den Garten so plant, dass möglichst viele Anbauflächen zur Verfügung stehen. Gemüsebeete sollten an der sonnigsten Stelle im Garten angelegt werden. An der Hausmauer kann Spalierobst gezogen werden. Vor allem Birnen, Pfirsiche und Marillen gedeihen hier besonders gut. Die stark spätfrostgefährdete Marille setzt man am besten an jene Seite des Hauses, die erst im April von der Sonne beschienen wird. Hier blüht der Marillenbaum später und ist so weniger spätfrostgefährdet.

Eine Pergola eignet sich als schattiger Sitzplatz und kann von Wein- und/oder Kiwaipflanzen berankt werden. Kiwais heißen auch Mini-Kiwis. Sie sind bis -30 °C frosthart und können daher in fast allen Lagen angebaut werden.

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Alle rankenden Beeren – z. B. Himbeeren, Brombeeren oder Gojibeeren können auch einen Zaun als Rankgerüst nutzen. Johannisbeeren, Maibeeren und Jostabeeren können am Rand eines Grundstücks gesetzt werden. Ebenfalls am Rand eines Grundstücks können Wildobststräucher und buschförmig gezogene Obstbäume wachsen: an einem geschützten Plätzchen Mispeln, viel unempfindlicher sind Kornelkirschen, Wildrosen (für die Hagebuttenmarmelade) oder Sanddorn.

Auch der vielerorts in Vergessenheit geratene Hollerstrauch kann hier einen Platz finden. Hecken beanspruchen zwar etwas Platz, bieten den Gemüsepflanzen aber auch Vorteile: Sie wirken als Windbremse, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur und schaffen damit ein Kleinklima. Eine 2–3 Meter hohe Hecke kann bereits das Kleinklima auf dem ganzen Grundstück stark verändern.

Außerdem ziehen Hecken Nützlinge an, indem sie diese mit Honigtau, Pollen und Nektar versorgen. So sind sie vor allem für Schwebfliegen und Schlupfwespen attraktiv, die Blattläuse und andere Schädlinge rasch wieder dezimieren können.

Und ganz abgesehen davon, bereichern bunte Hecken den Garten zu jeder Jahreszeit: Kornelkirschen zählen zu den ersten Blüten im Garten, die Blätter der Mispeln sind im Herbst wunderschön rotbraun gefärbt.

Noch ein Hinweis zur Auswahl der Obstarten: Es lohnt sich, bei der Auswahl der Arten auch jeweils ihre Reifezeiten zu beachten. Wer im Juli zum Beispiel regelmäßig auf Urlaub fährt, wird sich an den gerade jetzt reifen Marillen nicht erfreuen können. Wer im Herbst nie Zeit hat, die nun reifen Trauben zu verarbeiten, pflanzt besser ein anderes Rankgewächs, wie zum Beispiel eine Mini-Kiwi. Übrigens: Wer ein Haus neu baut und vorhat, den Garten als Nutzgarten zu gestalten, ist gut beraten, gleich beim Neubau einen guten Lagerkeller und ein keines Glashaus mitzuplanen.

Und wer sich nun fragt, was Kiwais, Mispeln, Gojibeeren oder Oca genau sind und wie man sie anbaut, darf sich auf eine der späteren Folge dieser Gartenkolumne freuen oder auch auf mein neues Buch – „Das große Biogarten-Buch“ (herausgegeben im Löwenzahn Verlag), welches im April erscheinen wird.


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