Was sich liebt, das kost sich

Nicht nur am heutigen Valentinstag verwenden Paare gerne Kosenamen. Was es mit ihnen auf sich hat und warum man sich manchmal für sie schämt, weiß der Grazer Sprachwissenschafter Rudolf Muhr.

Von Miriam Hotter

Innsbruck –„Schatz, kommst du mal bitte?“ – „Ja, Liebling, bin schon unterwegs!“ Jedes Paar verwendet im Alltag Kosenamen. Unter vier Augen sind sie gerne gehört, wenn sie in der Öffentlichkeit benutzt werden, führt dies jedoch oft zu peinlichen Situationen. Emotionaler Wortschatz, den Rudolf Muhr, Sprachwissenschafter an der Universität, mit seinen Studenten genauer unter die Lupe nehmen will.

„Kosenamen symbolisieren die Beziehung, die zwischen den Partnern herrscht, und sind etwas sehr Intimes. Gerade daher ist die Datenlage dazu nicht nur im österreichischen Deutsch unzureichend“, erklärt Muhr. Ebenso gebe es keine fundierten Aussagen darüber, wie häufig Kosenamen in Paarbeziehungen verwendet werden.

In Deutschland ist man einen Schritt weiter. Die Universität Augsburg hat im Jahr 2008 eine Erhebung durchgeführt und eine Top-Liste für Kosenamen erstellt. Demnach rangiert „Schatz“ auf Platz 1 vor Bezeichnungen aus der Tierwelt wie „Maus“, „Hase“, „Bär“ und „Spatz“.

„Wenn die Begriffe möglicherweise in Österreich dieselben sind, würde die Koseform sicherlich in der für Österreich typischen Verkleinerungsform des Substantivs zur Anwendung kommen: also „Schatzerl“ oder „Schatzi“, „Haserl“ oder „Hasi“, erklärt der Sprachwissenschafter.

So auch der Kosename von Sebastian Schweinsteiger aus Innsbruck – er nennt seine Freundin liebevoll „Mausi“. Ein weiterer Österreicher, der sich auf Tier-Kosenamen spezialisiert hat, ist Richard „Mörtel“ Lugner. Der ehemalige Bauunternehmer wurde berühmt, weil er seinen Partnerinnen immer tierische Spitznamen gibt. Seine aktuelle Begleiterin Anastasia hört etwa auf den Namen „Katzi“. Seine vierte Ehefrau nannte er „Mausi“. Sie wurde von „Betti-Hasi“ ersetzt, bis „Bambi“ mit ihren treuen Rehaugen kam.

Mit diesen Kosenamen sorgte Lugner häufig für Diskussionsstoff. Es wurde viel darüber spekuliert, was man daraus über die Beziehung des ehemaligen Bauunternehmers ableiten kön­ne. Manch einer interpretierte in die verbale Zärtlichkeit eine Extraportion Intimität hinein. Andere hingegen glaubten, sie als Herabwürdigung der Frauen zu verstehen. Dass Kosenamen manchmal für Irritation sorgen, kann Muhr nachvollziehen. „Mit der Verwendung von Kosenamen erzeugen Paare eine gewisse Intimität“, so der Sprachwissenschafter. Für die anwesenden Personen kann dies unangenehm sein. „Viele Menschen fühlen sich unwohl, wenn sich Paare mit Kosenamen ansprechen. Sie wissen nicht, wie sie mit dieser intimen Situation umgehen sollen.“

Deshalb würden sich Paare vor allem in trauter Zweisamkeit mit Kosenamen ansprechen. Die Studie aus Augsburg hat gezeigt, dass die Verwendung von Kosenamen abnimmt, je öffentlicher die Kommunikationssituation ist. Nur 39 der tausend befragten Personen gaben an, den Kosenamen für den Partner in allen Kontexten zu verwenden, sprich von der Zweisamkeit bis zur Öffentlichkeit. „Das ist in Österreich wahrscheinlich genauso. Kosenamen sind etwas sehr Privates, man verwendet sie nur unter Menschen, denen man vertraut“, meint Muhr.

Wenn er im März mit sei­- ner Studie startet, will der Grazer besonderen Wert auf die Unterschiede zwischen den drei deutschsprachigen Ländern Österreich, Deutschland und der Schweiz legen. „Regional unterscheiden sich Kosenamen enorm: In Deutschland habe ich bei meiner ersten Recherche Kosenamen gefunden, die hierzulande nur seltsam wirken würden: Schweinchen, Herz oder Herzchen.“


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