Lücken bei Kennzeichnung von Fertiggerichten

Nicht überall, wo Österreich draufsteht, ist Österreich drin. Heute will sich die EU mit dem britisch-französischen Pferdefleischskandal befassen.

Von Max Strozzi

Innsbruck –Im französisch-britischen Skandal um mit Pferdefleisch versetzte Rindfleisch-Produkte dreht sich die Diskussion auch um mangelnde Lebensmittel-Kennzeichnung. Denn auch ohne betrügerische Absichten gibt es besonders bei Fertiggerichten große Lücken in der Kennzeichnung der Zutaten. Das gilt auch für Österreich. „Kauft man beispielsweise Rindfleisch im Stück, ist ersichtlich, wo das Tier geboren und gemästet wurde. Wird allerdings ein verarbeitetes Produkt gekauft, ist auf der Verpackung nur gekennzeichnet, wer die Ware vertreibt. Damit lässt sich das Produkt nur bis zum Vorlieferanten zurückverfolgen“, kritisiert Birgit Beck, Ernährungswissenschafterin beim Verein für Konsumenteninformation VKI. Kunden können somit bei vielen Produkten nicht nachvollziehen, woher der Inhalt tatsächlich stammt. „Nehmen Sie beispielsweise Joghurts her, bei denen ‚Qualität aus Österreich‘ draufsteht. Ob die Erdbeeren darin aus China, Polen oder Marokko kommen, sieht man nicht. Kunden wünschen sich aber Auskunft darüber, woher die Produkte stammen.“

Lebensmittelhersteller würden sich vieler Tricks bedienen, um mit einem Österreich-Bezug das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Beck: „Die Bezeichnungen ‚Hergestellt in Österreich‘ oder ‚nach österreichischer Rezeptur‘ bedeuten nicht, dass auch die Rohstoffe aus Österreich kommen.“ Zudem gebe es Hunderte lobende Auszeichnungen sowie verschiedenste Bio-Kennzeichnungen, die den Kunden verwirren. Für ein AMA-Gütesiegel hingegen müssen die Rohstoffe aus Österreich kommen, stellt Beck klar. Kunden rät sie jedenfalls, genau darauf zu achten, was auf der Packung steht. „Sobald es aber um Betrug geht, ist man als Kunde ohnehin hilflos.“

Im Skandal um mit Pferdefleisch versetzte Rindfleisch-Produkte ist währenddessen europaweit die Ursachenforschung weitergegangen. Wie berichtet, waren in Großbritannien und Skandinavien Lasagne-Fertiggerichte aus Frankreich aufgetaucht, die Pferdefleisch statt wie angegeben Rindfleisch enthielten. Das Fleisch wurde scheinbar von Rumänien über Zypern und Holland geliefert. Die Behörden vermuten inzwischen, dass „kriminelle Machenschaften“ hinter dem Skandal stecken. Der betroffene Lebensmittelkonzern Findus gab an, sein Vorlieferant Comigel hätte sich eigentlich dazu verpflichtet, das (Rinds-)Fleisch unter anderem aus Österreich (und nicht aus Rumänien) zu beziehen. Die EU will sich heute mit dem Pferdefleischskandal beschäftigen.


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