Umstrittener Kampf gegen Ersatztherapie für Süchtige

Wien – Das Innenministerium plant Verschärfungen im Kampf gegen illegale Suchtmittel. Drogenkonsum soll mittels Haartests statt wie bisher m...

Wien –Das Innenministeriu­m plant Verschärfungen im Kampf gegen illegale Suchtmittel. Drogenkonsum soll mittels Haartests statt wie bisher mit Harnanalysen nachgewiesen werden. Außerdem solle die Substitutionstherapie, die Behandlung von Suchtkranken mit Ersatzmedikamenten, zurückgedrängt werden. Bei Experten und beim Koalitionspartner SPÖ stoßen die Pläne auf Wider­stand.

Vor allem das Zurückdrängen der Substitutionstherapie ist umstritten, berichtete Ö1 gestern. „Das ist ein unnötiger Rückschritt, der eine Behandlungsform, die wissenschaftlich unbestritten als wichtig und zielführend anerkannt ist, diskreditiert“, sagte Johanna Schopper, Drogen­koordinatorin im SPÖ-geführten Gesundheitsministerium. Auch Hans Haltmayer, der ärztliche Leiter der Suchthilfe Wien, warnt, dass im Gegenzug Krankheiten wie HIV und Hepatitis zunehmen würden. Die Folge wären „eine enorme Kumulation von Leid und eine enorme Ansammlung von zusätzlichen Kosten“.

Franz Lang, Leiter des Bundes­kriminalamtes, sieht hingegen den Missbrauch und den Handel mit Ersatzmedikamenten im Vordergrund. Oft würden Betroffene zu großzügig mit den Arzneie­n versorgt. Dazu komme, dass laut Studien nur fünf Prozent der Substitutionspatienten den Ausstieg aus der Sucht tatsächlich schaffen.

Umstritten sind aber auch die Haartests, die Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) vorerst mit Pilotprojekten in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland starten will. Bis Jahresende sollen erste Ergebnisse vorliegen.

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Ihr Ziel sei, „jungen Menschen aus der Drogen­spirale zu helfen“, beteuerte die Ministerin. Kranken solle rechtzeitig geholfen und die Verkehrssicherheit erhöht werden, sagte sie. Haartests seien außerdem präziser als Harnanalysen. (TT, APA)


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