Ex-Telekom-Boss Sundt: „Habe von Manipulation nichts gewusst“

Im Untreueprozess gegen ehemalige Manager der Telekom Austria war heute Ex-Generaldirektor Heinz Sundt am Wort. Er blieb dabei, dass er von den Kursmanipulationen nichts mitbekommen habe. Seine Bonuszahlung in Höhe von 390.000 Euro zahlte er nicht zurück.

Wien - Ex-Telekom-Generaldirektor Heinz Sundt hat sich heute bei seiner Vernehmung als Angeklagter im Telekom-Prozess rund um die Kursmanipulation im Februar 2004 verteidigt und die Anklagevorwürfe entschieden zurückgewiesen. Er sei nicht schuldig, er habe den mitangeklagten Euro-Invest-Banker Johann Wanovits nicht gekannt und von Gegengeschäften nichts gewusst, betonte Sundt. „Ich möchte klipp und klar sagen, ich kannte den Broker nicht, ich kannte die Bank nicht und wusste auch nicht, dass zwei Herren meines Hauses mit dieser Bank verhandelt haben“, sagte er vor Gericht. Seine eigene Prämie aus dem Mitarbeiterprogramm in Höhe von 390.000 Euro (brutto) hat Sundt bis heute der Telekom nicht zurückgezahlt. „Eine Rückzahlung wäre ein Schuldeingeständnis und davon distanziere ich mich meterweit“.

Auch heute, in Kenntnis aller Vorwürfe, sehe er strafrechtlich keinen Anlass, die Prämie zurückzuzahlen, sagte Sundt dem Privatbeteiligtenvertreter der Telekom, Norbert Wess. Andere Ansprüche seien im zivilrechtlichen Rahmen abzuhandeln. Der derzeitige Telekom-Generaldirektor Hannes Ametsreiter, der in der Causa im Gegenteil zu Sundt nicht verfolgt wird, hat seine Mitarbeiterprämie hingegen nach Bekanntwerden der Kursmanipulation zurückgezahlt.

Kurssprung der Aktie im letzten Moment

Die Telekom hat für das Mitarbeiterprogramm 8,8 Mio. Euro aufgewendet. Das Programm wurde durch einen Kurssprung der Aktie im letzten Moment, in der Schlussauktion am 26. Februar 2004, ausgelöst. Der mitangeklagte Euro Invest-Banker Johann Wanovits hatte Aktien in großem Ausmaß gekauft und dafür später von der Telekom mindestens eine Million Euro erhalten, Teile davon in Bargeld überreicht am Wiener Naschmarkt, so die Anklage.

Sundt schilderte heute, wie der damalige Telekom-Vorstand seit dem Börsegang des Unternehmens im Oktober 2000 regelmäßig Kurspflege betrieben habe, indem man Road-Shows veranstaltete und international sowie national potenzielle Investoren umwarb. Die Telekom-Aktie habe sich im Vergleich zu anderen Telekom-Titeln gut entwickelt. Ein Versuch, Siemens mit einer Beteiligung ins Boot zu holen, sei aber nicht gelungen, bedauerte Sundt. „Das Verständnis für Osteuropa wäre bei Siemens größer gewesen als auf den amerikanischen Märkten, die ständig Sofia mit Belgrad verwechselt haben“.

Auch in den entscheidenden Tagen für das Mitarbeiteroptionsprogramm, also im Februar 2004, sei über potenzielle Investoren gesprochen worden. Einen „Druck“ auf Finanzvorstand Stefano Colombo habe er jedoch nicht ausgeübt, meinte Sundt. Der als Kronzeuge agierende Ex-Controlling-Chef Gernot Schieszler gab in seinen Einvernahmen an, Sundt habe Druck auf Colombo ausgeübt, um das Kursziel - Durchschnittskurs über 11,70 Euro - doch noch zu erreichen.

„Von Gegengeschäften war nie die Rede“

Sundt dementierte, dass in seiner Gegenwart im Vorstand von einem Investor gesprochen worden sei, der Aktien gegen ein Gegengeschäft kaufen würde. An so etwas könne er sich nicht erinnern. Sundt wurde diesbezüglich von seinem früheren Co-Vorstand Rudolf Fischer belastet. Von „Gegengeschäften“ mit einem Investor sei nie die Rede gewesen, so der Ex-Telekom-Chef. Für ihn sei ein Gegengeschäft etwas Anstößiges. In Ordnung wäre es hingegen, wenn ein Investor in die Aktie auf eine Lieferantenliste käme, woraus sich ein Vertrag ergeben könne oder auch nicht.

Die Kursbeobachtung in der entscheidenden Februar-Woche 2004 habe bei ihm den Verdacht geweckt, dass jemand den Kurs drücken wolle, sagte Sundt in der Befragung durch Staatsanwalt Hannes Wandl. „Wir hatten den Verdacht gegen Merrill Lynch, der hat sich nicht bewahrheitet“. Die US-Investmentbank hatte damals nicht gegen die Aktie spekuliert, weil sie das Risiko schon verkauft habe.

Sein Verhältnis mit dem damaligen Eigentümervertreter (Grasser, Anm.) sei nie gut gewesen, schilderte Sundt: „Wir hatten ein chronisch gestörtes Verhältnis“. Auf Nachhaken des Richters Michael Tolstiuk konnte er den Namen des damaligen Finanzministers, Karl-Heinz Grasser, nicht nennen. „Ich habe den Namen so verdrängt, dass er mir gar nicht mehr eingefallen ist“, erklärte Sundt seinen Gedächtnisverlust.

Hochegger seit 1996 gekannt

Den Lobbyisten Peter Hochegger, der in der Causa eine Schlüsselrolle spielt, kennt Sundt gut, befreundet sei er aber mit ihm nicht. Er habe Hochegger schon ab 1996, in der Mobilkom-Zeit, immer wieder für Öffentlichkeitsarbeit, Pressekonferenzen etc. eingesetzt. „Hochegger hat uns eine erhebliche Wettbewerbsleistung geboten, sein Know-how war für uns Goldes wert“. Eine Studie habe er bei Hochegger aber nie beauftragt. Laut Anklage soll ein Teil des Wanovits-Honorars für die Kursmanipulation in einer Hochegger-Scheinstudie für die Telekom versteckt gewesen sein. Hochegger soll das Geld versteuert haben, den Rest bar abgehoben und an Telekom-Mitarbeiter gegeben haben. Von dort wurde das Cash dann an Wanovits weitergegeben.

Als Lobbyisten habe er Hochegger allerdings nie eingesetzt, meinte Sundt. Der Versuch, über Hochegger eine Brücke zu Grasser zu schlagen und das Verhältnis mit dem Eigentümervertreter zu verbessern, sei gescheitert. Er habe Hochegger auch dafür verwendet, bei der Telekom-Regulierungsbehörde guten Wind für die Telekom zu machen. Auf Nachfrage des Richters, ob das nicht doch Lobbying gewesen sei, meinte Sundt: „Normalerweise ist ein Lobbying-Vorgang mit dem Fluss von Geldern verbunden“. Das sei hier nicht der Fall gewesen. (APA)


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