Ende des Sperren-Spuks mit Nachwehen

Von Christoph Mair...

Von Christoph Mair

Innsbruck –Um 10.45 Uhr ließen gestern Dienstag Hunderte Fernfahrer auf den Parkplätzen entlang der Tiroler Autobahnen ihre Motoren aufheulen. Eine kalte, von Ungewissheit geprägte Zwangspause hatte vorzeitig ihr Ende gefunden. Wie berichtet, hatte Italien am Sonntagabend kurzfristig ein unbefristetes Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen verhängt – wegen der zu erwartenden starken Schneefälle.

Hunderte Lkw-Lenker waren daraufhin in Tirol gestrandet. Ohne genau zu wissen, wann es weitergeht. Noch Dienstagfrüh herrschte am Lkw-Parkplatz Nösslach an der Brennerautobahn Ratlosigkeit unter den Chauffeuren. Und Ärger – über die italienische Informationspolitik. Mehrere Fahrer beklagten sich darüber, erst bei der Anfahrt im Radio von der Sperre gehört zu haben. „Schlechter Witz“ war das mildeste Urteil dafür, dass die Laster bereits den ganzen Montag festsaßen, obwohl sich bis zum späten Nachmittag noch keine einzige Schneeflocke blicken ließ. Der Anblick der bescheidenen Schneezuwächse am Dienstag schließlich ließ die Lkw-Fahrer an der Urteilsfähigkeit der Behörden zweifeln: „Man kann doch deswegen nicht ein ganzes Land sperren. Es gibt ja auch eine Kettenspflicht und noch einen Räumdienst.

Die Tiroler Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um das Abstellen der Lkw bzw. deren Rückreise nach Deutschland zu organisieren. Gestern galt es, die Weiterfahrt gefahrlos abzuwickeln. Immer wieder kam es auf den Autobahnen abschnittsweise zu Staus. „Wir hatten bis zu 15 Streifen im Einsatz“, berichtete der stv. Leiter der Verkehrsabteilung, Günther Salzmann. Zwar hätten sich die vollen Parkplätze rasch geleert, von Deutschland wären jedoch Lkw nachgedrückt, die die Sperre abgewartet haben. Salzmann, der eine derartige Totalsperre wegen des Wetters noch nicht erlebt hat, wünscht sich künftig eine „frühzeitige Information“.

Kein Verständnis für die „weit überzogene Maßnahme“ hat Ulf Schmid. „Wir haben nichts gegen eine Sperre aus Sicherheitsgründen“, bemerkt der stv. Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Tirol. Doch sie müsse flexibler sein. „So hat sie der gesamten Wirtschaft massiv geschadet.“ Auch die Fahrer, die teils ohne Toilette und Versorgung an der Autobahn gestrandet seien, dürften nicht vergessen werden.

Angeblich überlegen bereits einige größere Frächter rechtliche Maßnahmen wegen des überraschenden Fahrverbots.


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