Pferdefleisch: Weitere Fälle aufgetaucht

Ruf nach Angaben über Herkunft von Fleisch in Fertigprodukten. EU-Kommissar fordert DNA-Tests.

Wien –Nach dem Pferdefleischskandal wird eine lückenlose Kennzeichnung für verarbeitetes Fleisch gefordert. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg forderte die Mitgliedsstaaten gestern auf, DNA-Tests an Rindfleischprodukten vorzunehmen, um Betrug mit Pferdefleisch zu erkennen. Mitte April sollen erste Ergebnisse vorliegen. Borg regte nach einem Treffen mit den zuständigen Ministerin in Brüssel außerdem die Untersuchung auf ein bestimmtes entzündungshemmendes Medikament an, das Pferden verabreicht wird, das Fleisch für Menschen aber ungenießbar machen würde.

Der Präsident des ÖVP-Bauernbundes, Jakob Auer, sprach gestern vom „trojanischen Pferdefleisch“ und verlangte eine verpflichtende EU-weite Herkunftskennzeichnung für Milch- und verarbeitete Fleischprodukte. Bei Fleisch gibt es prinzipiell eine Herkunftsbezeichnung. Diese gilt aber nicht für verarbeitetes Fleisch wie für die Skandal-Lasagne, die statt Rindfleisch Pferdefleisch enthielt.

EU-Industriekommissar Antonio Tajani erklärte, es müsse Klarheit bei der Rückverfolgbarkeit der Produkte geben, „für die ganze Lieferkette, also für alle, die mit dem Produkt in Kontakt kommen“.

Mittlerweile gibt es auch Verdachtsfälle in Deutschland. Die Supermarktkette „Real“ hat in Tiefkühl-Lasagne Pferdefleisch entdeckt und eine Rückrufaktion gestartet. Weitere Ketten sind im Visier der Lebensmittelkontrolleure.

Auch in französischen Fertiggerichten wurde falsch deklariertes Pferdefleisch entdeckt. In England wiederum wurden zwei Fleischverarbeitungsbetriebe geschlossen. Und Schweden rätselt über den Verbleib von jährlich 9000 Pferden. So groß ist die Lücke zwischen den Schlachtzahlen und den aus den Beständen von Betrieben verschwundenen Pferden. Ein Teil davon könnte in Fleischfabriken gelandet sein. (APA, AFP, dpa)


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