Neue Politbemühungen um Legalisierung von Crowdfunding

Heute SPÖ-Enquete - Auch die Junge Wirtschaft und die Grünen wollen alternative Finanzierungsformen auf rechtliche solide Beine stellen.

Wien - Im Gefolge des öffentlich ausgetragenen Zanks des Waldviertler Schuhhändlers Heini Staudinger mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) hat sich Österreichs Politik auf das Thema Crowdfunding gesetzt. Fast alle sind sich einig, die Finanzierungsform über viele kleine (private) Geldgeber auf rechtlich solide Beine stellen zu wollen. Heute, Mittwoch, hat dazu der SPÖ-Klub eine Enquete im Parlament abgehalten. Die Grünen wollen eine Lösung noch vor der Wahl und auch die Junge Wirtschaft macht Druck.

„Die aktuelle Finanzierungssituation und strengere Eigenkapitalvorschriften durch Basel III erschweren heimischen Jungunternehmen den Zugang zu Fremdkapital, da die Banken zurückhaltender sind. Es braucht daher zusätzliche Alternativen“, fordert Markus Roth von der Jungen Wirtschaft (WKÖ). Im Jänner hat die JW bereits eine Expertengruppe installiert, die sich u. a. mit der Interpretation des Bankwesengesetzes und der Neugestaltung der Prospektpflicht auseinandersetzt.

Die SPÖ denkt da zum Beispiel an eine Förderung der Prospektkosten bei kleinen Anleiheemissionen oder die „Entstaubung“ bestehender Instrumente wie der Genossenschaft. Für Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (S) ist dabei wichtig, dass der Anlegerschutz nicht aufgeweicht wird und es zu keiner Deregulierung des Kapitalmarkts kommt. Sein Parteikollege, Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter, verwies auf die unterschiedlichen Zugänge zum Thema Risikokapital im angloamerikanischen Raum und in Europa. Während in Amerika und Co. die Finanzierung via Risikokapital Tradition habe, sei in Kontinentaleuropa die Bereitschaft höher, etwas herzuborgen, ohne sich gleich zu beteiligen. „Das Herborgen wird aber schwer gemacht“, kritisierte er.

Volker Plass von der Grünen Wirtschaft jedenfalls urgiert eine Lösung noch vor der Wahl. „Wir müssen den weitgehenden Konsens der Parteienvertreter nützen, um den Widerstand der Banken und etablierten Genossenschaftsverbände gegen mehr Wettbewerb in der Fremdkapitalfinanzierung zu brechen.“

Nicht nur in Österreich, sondern auch auf europäischer Ebene gibt es zunehmend Bemühungen, alternative Finanzierungsformen für kleinere Unternehmen zu stärken. Das EU-Parlament hat sich vorige Woche mit großer Mehrheit für eine entsprechende Entschließung ausgesprochen. Sogar Österreichs Notenbankchef, EZB-Rat Ewald Nowotny, sagte am Montag, dass er Crowdfunding „gar nicht so uninteressant“ findet. (APA)


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